Hanna Johansen

Lena

Roman
Cover: Lena
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446201316
Gebunden, 154 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Wie kann ein Familiengeheimnis enthüllt werden, ohne weiteres Porzellan zu zerschlagen? Lena, die fast ein ganzes Jahrhundert erlebt hat, muss nun all ihr Einfühlungsvermögen aufbringen: Sie ist die einzige, die noch um das Geheimnis weiß und die es ihrer Nichte Sophia weitergeben kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2002

Die Form dieses "Universalromans der Ehe" findet Hans-Peter Kunisch so klassisch wie trickreich. Die Autorin hat für ihr Buch den inneren Monolog gewählt, allerdings, so Kunisch, bleibt der Gang der Erzählung gemächlich und versucht nicht, das ganze Bewusstsein der Heldin abzubilden. Was da erzählt wird, bleibt für den Rezensenten allerdings ungeheuerlich genug und hat mit der "Universalgeschichte der Monogamie" zu tun, einem Buch im Buch, und einer hübsch ausgefuchsten Heldin, ausgefuchst, aber dennoch unentschlossen, derart dass Kunisch ihr glatt sein Mitgefühl versagt: "Denn das folgenhaft lahme Ja-aber in lebenswichtigen Fragen ist natürlich heute derart geläufig ... dass es einem schon wieder wie platter common sense ... begegnen muss."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2002

Klara Obermüller folgt der Autorin auf ihren verwirrenden Fährten durch die Erinnerungen der fast 80-jährigen Hauptfigur, die ihrer zum Besuch erwarteten Nichte, die eigentlich ihre eigene Tochter ist, endlich die ganze Wahrheit erzählen will. Wenn die Autorin habe deutlich machen wollen, dass "Ehrlichkeit ein relativer Begriff" sei und Wahrheit immer auf den Betrachterstandpunkt ankomme, so sei ihr das bestens "gelungen", meint die Rezensentin. Auch als Dokument eines "Stücks persönlicher, deutscher Geschichte" findet Obermüller den Roman durchaus beeindruckend und mitunter auch "bewegend". Allerdings, moniert sie, wird auf die Dauer der Wechsel von "tiefen Einsichten" und "kleinbürgerlichen Belanglosigkeiten" dann doch ziemlich "ermüdend".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.04.2002

In Hanna Johansens neuem Roman geht es um das Warten, berichtet Samuel Moser. Um das Warten der achtzigjährigen Lena auf ihre Nichte Phia, die eigentlich ihre Tochter ist, verrät der Rezensent. Und während Lena wartet, lässt sie ihr Leben Revue passieren, erinnert an all ihre traurigen und wilden Stationen, an die Lebensbedingungen im Krieg, an Familienangehörige, die größtenteils recht unglücklich ums Leben kamen, erzählt Moser. Der Roman sei, meint der Rezensent, "wie ein rückwärts fließender Fluss", der weder am Ausgangspunkt noch an der Mündung wirklich ankomme. Denn während die alte Frau auf die Ankunft der vermeintlichen Nichte zum Nachmittagstee wartet und sich auf die Erzählung der Wahrheit vorbereitet, verliert sie sich in immer mehr Geschichten und Wahrheiten und bleibt am Ende allein, denn einen Schluss könne es konsequenterweise für diesen Roman, der den Rezensensten doch berührt hat, auch gar nicht geben.

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