In diesem Band sind die berühmtesten sowie die neuesten Texte Günter Kunerts vereinigt: Neben Bekanntem wie 'Die Beerdigung findet in aller Stille statt' und 'Der Hai' finden sich Autobiografisches sowie zahlreiche neue und unbekannte Erzählungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2007
Wenn Günter Kunert hier für den Leser viele ältere und einige neuere Erzählungen versammelt habe, überlegt Rezensent Christoph König, liege darin schon ein erzählerischer Akt und ein Grundprinzip seines Schreibens selbst. Bemerkenswert sei vor allem, dass auch die frühe Erzählung "Schwimmer" mit aufgenommen sei, in der man noch deutlich den Überlegenheitsgestus des Marxisten Günter Kunert wahrnehmen könne. Darin manifestiere sich die Stärke von Kunerts Sammelprinzip, auch einen solchen Text unter dem Titel "Irrtum ausgeschlossen" einzuschließen. Als "dialogische Prosa" beschreibt der Rezensent den Aufbau der meisten Erzählungen. In "Grabrede" könne ein Schauspieler mit seiner erkrankten Frau nur noch über erlernte Grabreden kommunizieren. Die "poetische Pointe" des Bandes verortet der Rezensent dann in der Titelgeschichte, in der Alwin, der nicht lügen kann, dem Ich-Erzähler von einer unglaublichen Begegnung mit seinem geliebten Großvater berichtet. Die Wahrheit, zitiert der Rezensent den Erzähler, sei der Wirklichkeit Alwins nicht zumutbar gewesen, sie hätte ihn ärmer gemacht.
Ausgesprochen angetan ist Rezensent Rolf Michaelis von diesem Sammelband. In den Geschichten geht es, wie er uns wissen lässt, immer wieder um den doppelten Boden des Lebens, um Alltagsmissverständnisse im Zusammenleben, Ehekräche und politische Abgründe, in die das vergangene Jahrhundert die Menschen immer wieder stürzte und bis heute stürzen lasse. Der Rezensent beschreibt den "Verwirr-Zauberer" Günter Kunert einerseits als legitimen Nachfahren Franz Kafkas. Seine Inhaltsskizzen beschwören aber auch Loriot- und Kishon-Assoziationen. Ärgerlich ist der Rezensent nur über die mangelnde editorische Sorgfalt des Verlags, der den Texten aus unterschiedlichen Schaffensperioden Kunerts in diesem Sammelband aus Sicht Michaelis' wenigstens eine sorgfältige Datierung hätte angedeihen lassen können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.10.2006
Hans-Herbert Räkel ist von neuem erstaunt über die Lakonie und Subtilität von Günther Kunerts Texten. Erneut erkennt er sowohl die "extreme Künstlichkeit" als auch die "vollendete Kunst" dieses Autors, bewundert er Kunerts ehrfurchtsvolles Verständnis von Sprache als moralische Verpflichtung. Ärgerlich dagegen, nicht zuletzt wegen Kunerts Zeitzeugenrolle, findet der Rezensent das Versäumnis einer historischen Einordnung der Texte durch den Verlag, ihrer Verortung in Zeit und Raum in einem entsprechenden Anhang. Das Buch empfiehlt er dennoch: Kunert-Kennern sowie mit dessen erzählerischem Werk noch nicht Vertrauten.
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