Anfang 1945, Berlin steht in Flammen. Doch die UFA dreht einen Film über den Tag, an dem der Führer mit seinem Volk den Sieg feiern wird. Ein Motorrad saust durch schöne Kulissen, der Vater zeigt seinem Sohn, wofür er in Russland gekämpft hat. Noch einmal wird den Deutschen Mut gemacht, Mut im letzten Augenblick. Während der 2. Weltkrieg auf sein Ende zu tobt, spielen berühmte Schauspielerinnen und ehrgeizige Statisten, schwule Stars und diktatorische Regisseure immer weiter. Und das Schlimmste: Goebbels spielt Goebbels. Das Warten beginnt. Bernd Schroeders Roman bringt das Lächerliche und das Grauenvolle zusammen, er spiegelt die große Katastrophe in einem grotesken Endspiel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.04.2017
Rezensent Martin Oehlen deutet Bernd Schroeders Geschichte des letzten Filmdrehs im "Dritten Reich" als Groteske. Die Entstehungsumstände des "Jubelfilms" der Nazis erscheinen Ohlen allerdings glaubhaft geschildert, die Figuren sind laut Rezensent sogar historisch verbürgt. Auch was der Autor über die Geschichte von Goebbels gegen Kriegsende berichtet, ist belegt, weiß Oehlen, ebenso das Festhalten des Propagandaministeriums am Medium Film bis zum bitteren Ende. Dass Schroeder seinen Text filmisch gestaltet, mit kurzen Kapiteln und drehreifen Dialogen, findet Oehlen passend. Weniger überzeugt hat ihn die bisweilen "hölzerne" Figurengestaltung. Der starke Plot, dieser Tanz auf dem Vulkan, reißt es raus, versichert er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.04.2017
Meike Fessmann ist nicht überzeugt von Bernd Schroeders Versuch, einen historischen Stoff zu fiktionalisieren. Wie der Autor die, wie Fessmann weiß, bereits von Hans-Christoph Blumenberg verarbeitete Geschichte um den letzten Film des "Dritten Reichs" angeht, leuchtet ihr nicht ein. Weder bietet ihr der Text die Möglichkeit, zwischen Dokumentation und Fiktionalisierung klar zu unterscheiden, noch erfreut sie der Autor mit einem straffen Spannungsbogen und einer eigenen Sprache. Eine Mischung aus Schmierentheater und Endzeitposse, schimpft Fessmann, die hier das Interessante des Materials leider nicht herausgearbeitet findet.
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