Hannah Häffner

Die Riesinnen

Roman
Cover: Die Riesinnen
Penguin Verlag, München 2026
ISBN 9783328604334
Gebunden, 416 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier." Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss. Hannah Häffner erzählt die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2026

Rezensentin Emilia Kröger findet mit Hannah Häffners Roman einen stimmigen Generationenroman über weibliche Selbstbestimmung vor, der eine interessante Entwicklung beschreibt: eine zunehmend positive Umdeutung von Heimat nämlich, die vom Ausmaß der patriarchalen Zwänge abhängt. Während die großgewachsene Liese als Ehefrau eines gewalttätigen Metzgers sich nicht aus der Zwangsheimat Wittenmoos, einem Dorf im Schwarzwald, befreien kann, schafft ihre Tochter Cora den Absprung, muss aber als ungewollt Schwangere zurückkehren, und die Enkelin Eva kann sich schließlich sogar freiwillig für den Ort entscheiden. Wie Häffner dies anhand der Figuren und ihrer Erlebnisse - Tod des Ehemanns, Europareise, BWL-Studium - entfaltet und mit einer ausgeprägten Natur- und Waldmetaphorik verbindet, scheint der Kritikerin zu gefallen, auch wenn sie die Sprache als zum Teil "sentimental" und "unbeholfen" beschreibt. Für sie passt diese Kombination aber zur Lebensrealität der drei Frauen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.03.2026

Rezensentin Sophia Coper bespricht in ihrer Kritik den neuen Bestsellerroman von Hannah Häffner, mehr noch aber die Biografie der Autorin, die sie auch persönlich getroffen hat. "Die Riesinnen", Häffners erster literarischer Roman nach drei Krimis, erzählt aus der Perspektive dreier Frauen - Mutter, Tochter und Enkelin - vom Thema Heimat(verbundenheit), vom Abstandnehmen und Zurückkehren: im fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos gehören die "Riessbergs", Liese, Cora und Eva, auf verschiedene Weise nie ganz dazu, kommen aber auf verschiedene Weise nie ganz weg von diesem Ort. Auch Häffner selbst suchte nach dem Abschluss erstmal das Weite beim Studium in Passau, Konstanz und Paris, probierte auch Berufliches verschiedenes aus, wohnt nun aber mit ihrer Familie in Stuttgart und feiert Weihnachten in ihrem eigenen Wittenmoos, nämlich in Mosbach, wie Coper beim Spaziergang durch den Stuttgarter Schlossgarten erfährt. Dieses Austarieren und Ausdehnen der eigenen Verwurzelung, die Frage nach den eigenen Ansprüchen an sich selbst und den Ansprüchen von außen, findet die Kritikerin auch im Roman wieder; über das Literarische erfährt man aber wenig. Vom großen Erfolg scheint die Kritikerin weniger überrascht als die Autorin selbst, die hier als aufrichtig bescheidene, einfach schreibbegeisterte Person gezeichnet wird.

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