Drei Generationen, verbunden durch die tiefe Sehnsucht danach, Wurzeln zu schlagen - in ihrem Roman erschreibt sich Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte. Sabiha und Ahmed sind fest verwurzelt in ihrer Heimatstadt Jaffa. Hier eröffnen sie ein eigenes Kino, um in der letzten Reihe bei Filmen mit Shirley Temple zu weinen, und ziehen ihre Söhne groß. Doch 1948, mit dem ersten arabisch-israelischen Krieg und schließlich der Gründung Israels, beginnt für die Familie eine Odyssee. Sie fliehen in den Libanon und weiter in die Türkei, stets auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Sie leben in Abbruchhäusern und werden von keinem Staat anerkannt. Sie trauern um die Verstorbenen und verlieren doch nie die Lust am Leben und erst recht nicht ihren Humor. Siebzig Jahre später begibt sich Joana Osman in Israel auf Spurensuche. Wer waren ihre Großeltern, die ihren Vater auf der Flucht großzogen? Was war das für eine Reise, die auch ihr eigenes Aufwachsen so stark und doch so unsichtbar geprägt hat. Fiktion und Autofiktion verschwimmen in diesem Roman, in dem Joana Osman ihre eigene Familiengeschichte vor dem Vergessen rettet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 18.01.2024
Man lernt viel über den Nahostkonflikt in Joana Osmans halb autofiktionalem Roman, so Rezensentin Stephanie von Oppen. Das auf Tagebuchaufzeichnungen und anderen Unterlagen basierende Buch setzt mit den Großeltern der deutsch-palästinensischen Autorin an, die in den 1930ern in Jaffa ein Kino betrieben und 1948, nach der Gründung Israels, flüchten mussten, in den Libanon, später in die Türkei. Das Leben im Exil ist hart, liest von Oppen bei Osman, und auch der Schreibprozess der Autorin, die am Tag des Massakers in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila geboren wird, kommt zur Sprache. Es geht, führt von Oppen aus, um das Leid der vertriebenen Palästinenser, aber auch um die Freundschaft ihrer Großeltern mit jüdischen Nachbarn, sowie um Osmans eigene Empathie mit Opfern auf beiden Seiten. Ein auch sprachlich großer, humanistischer Roman, so das Fazit der Kritikerin.
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