Martha ist eine beeindruckende Frau, die es aus ärmsten Verhältnissen zu bescheidenem Wohlstand gebracht hat. Aber die Erinnerung an die Entbehrungen ihrer Kindheit als "Verdingkind" bei einer Bauernfamilie im Berner Umland lässt sie nie los: Keine Schwäche zeigen. Arbeiten ohne Unterlass. Hart sein zu sich und anderen. Das prägt auch ihre Söhne, die es in der Nachkriegszeit unbedingt zu etwas bringen wollen. Und ihre Enkel, die dagegen rebellieren und es erstmals wagen, sich ein anderes, ein freieres Leben zu erträumen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2024
Lukas Hartmann kennt die Rezensentin Pia Reinacher als einen der großen Schweizer Schriftsteller, die sich kontinuierlich am eigenen Land abarbeiten. So auch in seinem neuen Buch, das mit fiktiven Mitteln die Geschichte seiner Großmutter beleuchtet, die ein sogenanntes Verdingkind war und in einer fremden Bauernfamilie arbeiten musste. Sie ist ein intelligentes Kind, ein Lehrer erkennt das und fördert sie - Voraussetzung - neben Fleiß und einem "eisernen Willen" - für ihren Aufstieg ins Bürgertum. Entstanden ist ein Roman, der auch ein Stück Sozialgeschichte ist, die von der sozialdemokratischen Haltung des Autors geprägt ist, meint Reinacher. An einigen Stellen scheint der Kritikerin das Buch zu plakativ und glatt geschrieben, leider zu Lasten der literarischen Eigenständigkeit - dennoch ein spannender Roman, der ein selten beleuchtetes Kapitel in der Geschichte der Schweiz anspricht, findet sie.
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