In ihrer Betonung der unmittelbaren Gegenwart theatraler Vorgänge folgt die deutschsprachige Theaterwissenschaft seit ihren Anfängen um 1900 einem historiografischen Konzept, das sich epistemologisch am Zuschauer und seiner ästhetischen Erfahrung orientiert. Weniger Berücksichtigung fand daneben die Tatsache, dass die Geschichte des europäischen Theaters eng verbunden ist mit einer Geschichte der Aufschreibesysteme als einer Geschichte der Netzwerke von Techniken und Institutionen, die einer Kultur die Speicherung, Verwaltung und Entnahme der für sie relevanten Daten erlauben. So kann Hans Christian von Herrmann nicht zuletzt die Gründung des Faches selbst als Effekt medien- und wissenschaftshistorischer Umbrüche beschreiben, die gleichermaßen das Theater und die Universität betrafen. Als Leitfaden dient ihm dabei Michel Foucaults Archäologie des Wissens, deren wichtigstes Verfahren die Behandlung überlieferter Dokumente als Monumente einer diskontinuierlichen Geschichte ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.05.2006
Aufschlussreich findet Rezensent Tobias Hoffmann diese Studie zur Theaterwissenschaft von Hans-Christian von Herrmann, die insbesondere die Ursprünge des Fachs in den Blick nimmt. Wie er berichtet, geht es Herrmann darum, die Anfänge der (deutschen) Theaterwissenschaft in ihrem kultur- und technologiegeschichtlichen Kontext zu ergründen. Zwar beurteilt er die Synthese der vielen Argumentationsstränge Herrmanns als "kraftlos". Dennoch zeigt er sich gerade von einzelnen Aspekten der Arbeit sehr beeindruckt, etwa von der Darstellung, wie die (film)technischen Möglichkeiten, die Mechanik des Körpers zu beobachten, zur "Wiederentdeckung" eines nichtliterarischen Theaters beigetragen haben. Außerdem hebt Hoffmann Herrmanns Analysen der theatertheoretischen Ansätze von Arthur Kutscher hervor, die seines Erachtens "Erhellendes" zur immer wieder aufflammenden Debatte ums Regietheater beitragen.
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