Kaum eine theoretische Strömung hat das abendländische Denken im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts so sehr beeinflusst wie der französische Poststrukturalismus. Das französische Denken über Sprache, Kultur und Geschichte, wie es seit den sechziger Jahren von Denkern wie Michel Foucault, Jacques Derrida, Roland Barthes und anderen entwickelt wurde, hat in Deutschland, den USA und darüber hinaus breite Wirkung entfaltet. Die "French Theory" hat Eingang gefunden in Universität und Feuilleton, Literatur und Theorie. Der Blick auf die steile internationale Karriere des Poststrukturalismus, seinen Niederschlag in den Diskursen zwischen Akademie und Zeitung, Buchmarkt und öffentlicher Debatte, wirft nicht nur Schlaglichter auf die Denkgeschichte des 20. Jahrhunderts, sondern versteht sich als Vorgeschichte des Denkens unserer Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2017
Statt einer "kurzen Geschichte des Poststrukturalismus", wie es der Untertitel verspricht, hat Rezensent Carlos Spoerhase hier vielmehr eine ausgiebige "Rekonstruktion" der Theorie gelesen, die ihm auf 450 Seiten einen gelehrten und klug kommentierten Überblick über die Hauptwerke von Saussure, Lévi-Strauss, Barthes, Foucault, Lacan, Derrida, Deleuze, Lyotard und Baudrillard vermittelt. Dass Klaus Birnstiel als einziger Verfasser fungiert, findet der Kritiker nicht nachteilig: Die akademische Durchsetzungsgeschichte des Poststrukturalismus durch die Gründung von geisteswissenschaftlichen Zeitschriften liest Spoerhase mit Gewinn, auch Birnstiels Fokus auf deutsche Vermittlerfiguren wie Peter Sloterdijk oder Friedrich Kittler erscheint dem Rezensenten überzeugend. Insbesondere lobt er das letzte Kapitel, in dem Birnstiel nach der kritischen Bedeutung des Poststrukturalismus für die Gegenwart fragt.
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