In seinem autobiografischen Essay geht Hans-Dieter Schütt den Auswirkungen des am eigenen Leibe erfahrenen Weltenumbruchs nach, die den Staat DDR in den Osten Deutschlands verwandelten. Schütt, Jahrgang 1948, war bis zum Herbst 1989 Chefredakteur der FDJ-Tageszeitung "Junge Welt", und sein Name stand am Ende für die immer rücksichtsloser und realitätsblinder werdende Schärfe staatlicher Agitation und Propaganda. Wie wird aus einem Kind, das zu Hause im thüringischen Ohrdruf nur Westsender hören und sehen darf, ein überzeugter FDJ-Funktionär? Wie vereist eine glühende Überzeugung zum Dogmatismus? Was fängt ein Mensch mit der plötzlich geschenkten Freiheit an, und wieviel Verrat an den früheren Idealen steckt im Genuss dieser Freiheit? "Man muss ab einem bestimmten Alter den Mut haben, auch in die Asche seiner Jahre zu blicken." Diesem Satz des DDR-Lyrikers und Tagebucherzählers Hanns Cibulka fühlt sich Schütt in seinem Bericht verpflichtet. Sein Buch ist eine ehrliche, kritische Erzählung aus dem Inneren des SED-Propaganda-Apparates.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009
Einigen Respekt bringt Rezensent Detlef Kühn diesem autobiografischen Buch des heutigen Neues-Deutschland-Kulturredakteurs Hans-Dieter Schütt entgegen. Schütt war zu DDR-Zeiten Chefredakteur der FDJ-Zeitung "Junge Welt" und rechnet in diesem Buch nun ab mit der DDR und nicht zuletzt mit dem, der er selbst war. Zum einen biete der Band "interessante Informationen", so Kühn, aus dem Inneren des DDR-Kulturbetriebs. Zum anderen sei die Botschaft, dass das Leben im vereinigten Deutschland Freiheit und "neue Möglichkeiten" bietet, erfreulich. Angesichts dieser Meriten stört den Rezensenten das gelegentlich Überfrachtete des "nachdenklich-philosophierenden Stils" dann auch nicht mehr so sehr.
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