In einem Zeitraum von mehr als 30 Jahren sind diese Essays entstanden, die Heise zu dem Band "Am Mischpult der Sinne" zusammengestellt hat. Die Arbeiten bilden gewissermaßen seine poetologische Autobiografie und damit das Gegenstück zu "Die Zeit kriegt Zifferblatt und Zeiger", der faktischen Autobiografie. Einzelstücke und Zyklen durchdringen einander stichwortgebend. Essays zur Metapher, zum freien Vers, aber auch zu Heises Selbstverständnis als Lyriker stehen neben Darstellungen der spanischen, lateinamerikanischen und US-amerikanischen Dichtung. Weitere Themenschwerpunkte bilden Betrachtungen zum Transzendenzzerfall und zur Kunst im technischen Zeitalter. Abgerundet wird das Ganze durch persönliche Standortbestimmungen, Reden und Interviews, in denen Heise Einblicke in seine Werkstatt und seine Motivwelt gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2004
Überrascht angesichts der kämpferischen Haltung des Dichters Hans-Jürgen Heise präsentiert sich ein zufriedener Walter Hinck. Der Band "Am Mischpult der Sinne" mit ausgewählten Schriften enthält neben Selbsterklärungen auch Essays zur Theorie der Dichtung, bevorzugt zur Lyrik. Dabei kämpfe der Poet wider Walter Hincks Erwartung "lieber mit dem Säbel als mit dem Florett". Vor Rundumschlägen, etwa gegen Jorge Luis Borges oder gegen die "von Aufklärung, Technik, Ökonomie und Politik plattgewalzte Moderne" schrecke der Poet nicht zurück. Hier, so Hinck, raubt der Zivilisations- und Kulturkritiker dem abwägenden Essayisten das Wort. Gleich mehrfach tauche Heises "Zentralgedanke" auf, dass Sprachbilder "Vokabeln des Gefühls" seien, und diese Haltung stehe als Gegenbegriff zum "bombastischen Wortgepränge" und zum Erbe der lateinischen Rhetorik. Die Essays entfalten ihren Reiz vor allem dort, wo sie "Erläuterungen und Seitenstücke zur eigenen Dichtung Heises sind", meint der Rezensent, der sich mehr von diesen "Störenfrieden wie Heise" wünscht.
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