Hans Magnus Enzensberger

Immer das Geld!

Ein kleiner Wirtschaftsroman
Cover: Immer das Geld!
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424896
Gebunden, 213 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Jedes Mal, wenn Tante Fé zu Besuch kommt, gerät der stinknormale Alltag der Familie Federmann aus den Fugen. Die uralte, muntere Dame hat es faustdick hinter den Ohren. Nach den Erfahrungen eines langen Lebens mit Inflationen, Erbschaften und Pleiten, mit Armut, Verschwendung und Exil ist sie jetzt reich und lebt allein in ihrer Villa am Genfer See. Was aber will Tante Fé von den Federmanns, ihren einzigen Verwandten? Langweilen möchte sie sich auf keinen Fall. Deshalb lädt sie die drei Federmann-Kinder in ein Luxushotel ein, verwöhnt, verblüfft, begeistert sie. Endlich fühlen sie sich ernstgenommen, erhalten sie Antworten auf Fragen wie: Woher kommt das Geld? Warum reichen selbst Milliarden und Billionen nie? Was denkt sich eine Zentralbank dabei, wenn sie Schulden druckt? Warum geht es nirgends ohne Schattenwirtschaft, ohne Schwarzmarkt, Schwarzgeld und Schwarzarbeit? Und warum hagelt es immerzu fette Boni in der Chefetage? Tante Fé räumt mit dem Blabla der Börsianer auf. Ungerührt erklärt sie den Kindern das herrschende Betriebssystem der Gier und der Angst. Natürlich hat auch sie keine Patentrezepte zu bieten. Aber den vielen Sieben- bis Siebzigjährigen, die den Jargon der Betriebswirtschaftler satt haben, könnte ihr gutgelauntes Fitness-Training nicht schaden - und auch nicht ihre spezielle Gegenstrategie: 'Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.'

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2015

Aufmerksam, aber auch amüsiert hat sich Gustav Seibt von Hans Magnus Enzensberger in die Theorie des Geldes einführen lassen. Über die hier ihre Nichten und Neffen belehrende alte und begüterte Großtante Fe muss der Kritiker so manches Mal schmunzeln, lernt dabei die wichtigsten Leitmotive der Geldtheorie kennen und bewundert vor allem die zahlreichen Illustrationen des aufwändig gestalteten Bandes, die ihm Verlockungen und Gefahren des Geldes vor Augen führen. Vielleicht wird man einige Stichwörter an anderer Stelle nochmal genauer nachlesen müssen, glaubt der Kritiker, nichtsdestotrotz entnimmt er Enzensbergers "greisenkindlicher Glaubenslosigkeit" aber auch viele interessante lebensphilosophische Einsichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Rezensent Rainer Hank hat ein paar Schwierigkeiten mit Hans Magnus Enzensbergers kleinem didaktischen Roman über das Geld. Auch wenn der Kritiker gesteht, dass pädagogische Romane nie ganz einfach sind, und er dem Autor keineswegs den naiven und zugleich "schulmeisterlichen" Ton vorwerfen will, beklagt er sich doch über die ziemlich langwierige Rahmenhandlung. Dafür lernt der Rezensent bei Enzensberger einiges über große Geldfragen, Schwarzmärkte, betrügerische Bänker oder Hochfrequenzhändler. Und im letzten Teil des Buches erkennt Hank auch den fröhlich fabulierenden Autor wieder, der seiner an Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" angelehnten Rahmenerzählung schließlich doch noch etwas Schwung verleiht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 10.10.2015

"Kostet ja fast nichts", ruft Peter Praschl am Ende seiner Rezension - aber das ist ein Rezensentenspruch, denn für die 213 Seiten des Bändchens werden 23 Euro fällig. Praschl kann den Band immerhin, wenn auch wenig lauwarm, empfehlen. Endlich mal werden hier nicht die üblichen Ressentiments gegen das Geld und seine Sphäre verbreitet. "Banker werden nur zart gescholten." Eine Erbtante erzählt ihren Enkeln, was es mit Geld so auf sich hat. Keiner versteht es, man hat es, ausnahmsweise redet man mal drüber, und es gibt "sehr sehr viele Kleinigkeiten" zu lernen. Praschl hat sich amüsiert. Enzensberger ist für ihn (nach Botho Strauß' endgültiger Abdankung) unser letzter Großintellektueller, und der letzte, der zu Ironie und Leichtigkeit fähig ist, sowieso.

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