In den 1950er bis 1970er Jahren suchten Millionen von Migranten aus dem Mezzogiorno, dem Süden Italiens, Arbeit in den Boomstädten Norditaliens und der Bundesrepublik. Während die Arbeitsmigranten innerhalb Italiens wegen der schwachen Nationalisierung markante soziale und kulturelle Grenzen überquerten, erleichterten der deutsch-italienische Anwerbevertrag von 1955 und die Einführung der Freizügigkeit ab 1961 den Grenzübertritt innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Waren den Migranten die Industriestädte Turin und München im fernen Norden Europas daher gleich fremd? Und waren sie dort auf ähnliche Art "andere"? Olga Sparschuh zeichnet mit Blick auf die Lebensbereiche Arbeit, Unterkunft und Freizeit ein 24 Stunden-Panorama der Migrationserfahrung in beiden Städten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2022
Rezensentin Anna-Lena Ripperger folgt interessiert dem Vergleich der "Italienischen Arbeitsmigration in Turin und München 1950-1975", den Olga Sparschuh in ihrer Dissertation untersucht. Die Historikerin stellt darin die Frage nach einer gesamteuropäischen Migrationserfahrung - hierfür bieten sich die ausgewählten Städte besonders gut an, da sie zwischen 1951 und 1961 einen ähnlich starken Bevölkerungswachstum erlebten und sich die Industrien mit dem italienischen Fiat und dem deutschen BMW und deren Nachfragen nach Arbeitskräften ähnelten, erklärt uns Ripperger. Die Analyse arbeitet der Rezensentin zufolge auf den 650 Seiten überzeugend Ähnlichkeiten und Erfahrungen der Migranten heraus, doch der Bezug auf gegenwärtige Migrationsdebatten überlasst sie den LeserInnen selbst. Das ist ein linearer Text mit vielen Detailinformationen, die gründlich herausgearbeitet wurden, resümiert Ripperger.
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