Im März 1819 ermordete der Theologiestudent Carl Ludwig Sand den Schriftsteller August von Kotzebue. Dieser Terrorakt sollte eine allgemeine Volksrache auslösen, wodurch alle Deutschen vom Joch der Feudalherrschaft befreit würden. Zweihundert Jahre nach der Hinrichtung Sands im Mai 1820 legt Harro Zimmermann ein Buch vor, das auf der Erschließung von bislang unbeachteten Quellen beruht, und den so bewunderten wie verteufelten Attentäter in ein überraschendes Licht rückt. Im Hinblick auf die heutigen Mordanschläge von NeoNazis und selbsternannten Gotteskriegern erweist sich das Buch als ein Beitrag zur Kulturarchäologie des Rechtsradikalismus in Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.08.2020
Durchaus beeindruckt ist Rezensent Wilhelm von Sternburg von dieser höchst umfangreich recherchierten Biografie, und er scheint dem Autor zuzustimmen, dass der Mord an Kotzebue durch Sand ein ungemein bedeutungsvolles Datum deutscher Geschichte ist. Die Ära Metternich und ihr Ende, antidemokratische Karlsbader Beschlüsse, ein Literat (eben Kotzebue) im Sold des Zaren: Tatsächlich bündele sich am Kreuzpunkt dieser Tat eine ganze Zeit ebenso wie zweierlei sehr Deutsches - ein übersteigertes Nationalgefühl und der Hang zur individuellen "That". So sieht der Kritiker die Ursprünge beider Traditionslinien vorgeführt, die Tendenz zum Nationalfanatismus wie die zum Terrorismus. Die historische Bühne dieses Moments findet er durch den Autor "eindrucksvoll" geschildert.
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