Mit einem Nachwort von Christian Demand. Über viele Jahre hinweg sammelte Harry Walter auf Trödelmärkten, Nachlässen und Dachböden Fotografien, "Fundstücke aus vergangenen privaten Welten", bei denen nicht mehr bekannt ist, wer und was gezeigt wird. "Reißt der Erzählfaden ab, sagt also niemand mehr, das ist der, die oder das, verlieren die meisten Photos auf einen Schlag ihren Inhalt - oder aber sie entwickeln, nachdem der biographische Dampf abgelassen ist, ein Eigenleben und füllen sich auf mit allem, was die Neugier an sie heranträgt. Dann fangen sie an zu knistern und irgendwie von sich selber zu handeln." Diesen hinterlassenen Lichtspuren folgt Walter in 24 Vignetten, die mit schelmischem Witz, Scharfsinn und mühelosem Stil ein historisches Kaleidoskop für uns öffnen. Er verknüpft Assoziationen und Reflexionen, tastet sich mitunter auf doppelbödiges und unheimliches Terrain. Erstmals versammelt der Band alle im Merkur erschienenen Fotoessays von Harry Walter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2023
Der hier rezensierende Kunsthistoriker Peter Geimer empfiehlt die Fotos aus dem Sammlerarchiv des Kurators Harry Walter und Walters dichte Begleittexte, die ihm die Zeitlichkeit der Aufnahmen vor Augen führen und den Umstand, dass die Alltagsfotos aus den 1930er bis 50er Jahren teilweise auf überraschende Weise in der Gegenwart ankommen, etwa wenn der Betrachter auf einem Bild mit Badenden am Ostseestrand russische U-Boote und Flüchtlingskähne hinzuimaginiert. Die Beschreibungskunst des Autors und die Fantasie des Betrachters ergeben so laut Geimer eine erstaunliche Schau- und Lektüreerfahrung.
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