Das vorliegende Buch zur kulturellen und medizinischen Bedeutung des Oralen und des Dentalen ist die erste Publikation dieser Art. Die getrennten Wissenschaftskulturen der Medizin und der Kulturwissenschaften werden in einem interdisziplinären Rahmen zusammengeführt. Angestrebt wird eine integrale Gesamtansicht nicht nur der Zahnmedizin, sondern auch der anthropologischen, kulturhistorischen, ästhetischen, linguistischen, medialen und psychodynamischen Dimension des Mundraums und der um ihn gruppierten Praktiken. In besonderer Weise wird das Buch geprägt durch die vielfältigen Beiträge, welche die bildenden Künste und die Literatur für die Entdeckung des dark continent der Mundhöhle geleistet haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2013
Helmut Mayer hat großen Spaß an der "kulturwissenschaftlichen Eroberung des Mundraums", zu der der emeritierte Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme und die Zahnärztin Beate Slominsky mit ihrem Sammelband "Das Orale" aufgerufen haben. Die Rolle des Mundraums erschöpft sich nicht in der Zahnmedizin, soviel war dem Rezensenten klar, aber er zeigt sich dann doch begeistert von den ausufernden Feldern, in denen Zähne, Zunge und Rachen eine Rolle spielen. Ein "performativer Zungen-Kuss" ist schon mal naheliegend, findet er, auch der "Zahn der Zeit" ist ihm ein Begriff, aber die "Zeitlichkeit der Zähne" in Schönheitschirurgie und Phänomenologie war ihm eher neu. Von Cunnilingus über Dracula, Goldzähne und Märtyrerzungen bis zu Traumdeutungen und Zähneknirschen findet sich aber noch einiges mehr, freut sich Mayer. "Es kann das nur ein Beginn gewesen sein", meint der Rezensent. Die Zahnärzte machen's vor. Mayer harrt nun der Antwort der Hautärzte, Kardiologen und Urologen, die wollen schließlich sicher nicht hinter ihren Kollegen zurückstehen, ulkt er.
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