Die Geschichte der europäischen Integration sieht man oft als ein reines Elitenprojekt an. Die Bürgerinnen und Bürger der Mitgliedsländer der Europäischen Gemeinschaft und der Europäischen Union erscheinen daran als unbeteiligt und desinteressiert. Doch dieses Urteil trügt: Sie hatten oft nur andere, eigenständige Vorstellungen vom Zusammenwachsen Europas als die politischen Entscheider. Sie nahmen zudem, vor allem seit den 1980er-Jahren, über Wahlen, Referenden, Interessengruppen, Beschwerden, Eingaben und Klagen aktiv Einfluss auf Europa. Sie erlebten Perioden des Vertrauens in die europäischen Institutionen, aber auch Phasen des Misstrauens. Auf der Basis von bisher kaum ausgewerteten Quellen zeichnet Hartmut Kaelbles Buch ein neues Bild der Vorstellungen und der Partizipation der Bürgerinnen und Bürger der EU im historischen Wandel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2019
Wilfried Loth scheint erleichtert nach der Lektüre des Buches von Hartmut Kaelble. Was der Sozialhistoriker hier darlegt, erstaunt Loth, überzeugt ihn aber auch: Das Vertrauen in Europa ist nicht perdu! Kaelble erläutert dem Rezensenten, dass es immer Vertrauenskrisen gab und es den Europapolitikern stets wiederum gelang, die Bürger zufriedenzustellen. Trump, Flüchtlingskrise und Brexit (wie Loth hinzufügt) konnten den proeuropäischen Trend nicht umkehren, lernt der Rezensent. Krisen entstehen durch zu hohe Erwartungen, vermag der Autor anhand der Analyse von Meinungserhebungen weiter zu erläutern. Die EU hat so viele Unterstützer wie lange nicht mehr, freut sich Loth.
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