Casanova führte ein rastloses Leben. Er platzierte französische Staatsanleihen und wurde in Paris als Organisator des gewinnträchtigen, aus Genua importierten Lottospiels tätig. Auf eine Anstellung hoffend, sprach er bei Friedrich dem Großen, Katharina der Großen und beim polnischen König vor. Obgleich diese Vorstöße alle erfolglos endeten, blieben sie nicht folgenlos: Ergebnis seiner missglückten Reise nach Warschau etwa ist eine glänzende Abhandlung über die der Aufteilung Polens vorausgehenden Wirren. Mit dem Schwinden seiner Aussichten auf eine politische Karriere rückten seine philologischen Interessen in den Vordergrund. Im böhmischen Dux schließlich, wo er seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar des Grafen Waldstein verbrachte und seine Lebensgeschichte niederschrieb, widmete er sich dem Verhältnis von Sprache und Politik und rechnete mit der Französischen Revolution ab, die seine Welt zum Einsturz gebracht hatte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2015
Ulrich Kronauer findet Hartmut Scheibles Casanova sympathisch dargestellt. Scheibles Versuch, den Galant zum besseren Aufklärer vor Voltaire zu machen, scheint ihm allerdings übertrieben. Wenn der Autor die Lebensstationen Casanovas nacherzählt, wie sie in den Memoiren vorgezeichnet sind, fällt Kronauer die jahrelange Beschäftigung des Autors mit seinem Thema auf, nicht zuletzt mit den Schriften Casanovas. Dass Scheible bei aller Sympathie nicht unkritisch auslegt und Ironie beweist, gefällt Kronauer.
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