Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Mit Illustrationen von Kat Menschik. Eigentlich will der Junge nur zwei Bücher zurückgeben und noch ein wenig stöbern. Aber statt in den Lesesaal führt ihn der merkwürdig cholerische alte Bibliothekar in ein Labyrinth unter der Bücherei, wo er ihn einkerkert. Statt Wasser und Brot gibt es in diesem Verlies Tee und köstliche Donuts, serviert von einem mysteriösen Schafsmann und einem stummen Mädchen, das sprechen kann und wunderschön ist. Doch das ändert nichts daran, dass der Junge als Gefangener der Bibliothek um sein Leben fürchten muss, während die Grenzen zwischen Dingen, Menschen und Orten immer weiter verschwimmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.10.2013
Fantasielose Leser, die keinen Zugang mehr zu den Ängsten ihrer Kindheit haben, sollten die Finger von Haruki Murakamis Kindheits-Erzählung "Die unheimliche Bibliothek" lassen, rät Rezensent Arno Widmann. Allen anderen aber kann der Kritiker dieses wunderbare Märchen nur empfehlen. Gebannt liest er die zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierende Geschichte um einen kleinen wissbegierigen Jungen, der vor seiner Mutter in das Labyrinth der Stadtbibliothek flüchtet und dort in die Fänge eines kannibalistischen Bibliothekars gerät, der es auf belesene Gehirne abgesehen hat. Nicht nur der Reiz, mit den eigenen irrationalen und kindlichen Ängsten konfrontiert zu werden, sondern auch Murakamis erlösende Auswege aus dem "Verlies der Ängste" machen die Lektüre zu einem Ereignis, lobt der Kritiker.
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