Sie suchten das Leben - Seit der Grundgesetzänderung im Jahre 1993 starben mehr als 3.000 Flüchtlinge in Deutschland und bei dem Versuch, die deutschen Grenzen zu überwinden. Einige von ihnen beginnen Suizid aus Angst vor einer bevorstehenden Abschiebung. Der vorliegende Band versammelt die Geschichten von zehn Flüchtlingen, die aus unterschiedlicher Motivation nach Deutschland kamen, aber alle in Folge bundesdeutscher Abschiebepolitik ihrem Leben ein Ende setzten. Die Autorinnen haben das Leben dieser Menschen vor und nach der Flucht sowie ihre letzten Monate und Tage und den Verlauf ihres Asylverfahrens recherchiert und in einen politischen Kontext gestellt. Traumatisierung, Deutschland als Hoffnung, Endstation Abschiebehaft - um diese Themenkomplexe kreisen die Biographien der Flüchtlinge.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.07.2004
Rezensentin Karin Ceballos Betancur ist erschüttert. Das Buch von Heike Herzog und Eva Wälde über Suizide als Folge deutscher Abschiebepolitik biete "beklemmende Einblicke in eine Realität, von der man sich wünscht, sie möge anders aussehen." Schon die dem Buch vorangestellte Statistik - zum Beispiel sind seit 1993 genau 111 Flüchtlings-Suizide wegen drohender Abschiebung verzeichnet, die Asyl-Anerkennungsquote sank seit den Siebzigern von 90 auf 5 Prozent und so weiter - empfindet Betancur als harten Tobak und zitiert ausgiebig daraus. Neben der beachtlichen "Fülle" von Fakten und Hintergrundinformationen lobt die Rezensentin die ausführlichen Porträts von Flüchtlingen, die Selbstmord begingen. So seien die "Menschen hinter den Zahlen" erkennbar. Das Schockierendste waren für Betancur jedoch die Passagen über die Anhörungen, auf deren Basis über Asylanträge entschieden wird. Ein Gespräch von gerade "20 Minuten", bei dem "Rechtsanwälte nicht zugelassen sind", eine "Stresssituation" für mitunter traumatisierte Flüchtlinge, die zu widersprüchlichen Aussagen führe - Betancur meint, dass an solchen Stellen das "Weiterlesen Überwindung kostet". Folglich findet sie harte Worte für die deutsche und europäische Asyl-Politik, die von "euphemistischen Begrifflichkeiten" und "Rassismen" dominiert sei, und umso wärmere Worte für diese Studie: Es sei "wichtig, dass es sie gibt".
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