Der Begriff "Elite" wird neuerdings wieder ganz unbefangen gebraucht, vor allem im Zusammenhang mit den neuen Elitehochschulen. Doch lassen sich Eliten schaffen? Und ist dies in einer Demokratie überhaupt wünschenswert? Heike Schmoll nimmt in ihrem fulminanten Lob der Elite die ewigen Elite-Kritiker ebenso aufs Korn wie die Wissenschafts-Planer, die eine Elite am Reißbrett schaffen wollen. Mit Blick auf die Geschichte von Eliten und ihre Bildung zeigt sie, warum wir nicht auf Eliten verzichten können und wie diese beschaffen sein müssen. In keinem der führenden Industrieländer sitzt die Abneigung gegen Eliten so tief wie in Deutschland. Für Franzosen gehört die gezielte Rekrutierung der Eliten in Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft ganz selbstverständlich zu den staatspolitischen Pflichten der Republik. Denn Eliten sind für keine Staatsform so unentbehrlich wie für die Demokratie. Deshalb muss der Zugang zur Elite prinzipiell offen, die Auswahlmethode transparent sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.03.2008
Der eigentlichen Frage, nämlich der nach den Bedingungen einer demokratischen und daher lobenswerten Elite, geht Heike Schmoll in ihrer kulturkonservativen Abhandlung eher aus dem Weg, findet Ruth Führer. Sie stimmt zwar mit Schmoll überein, dass es in einer offenen Gesellschaft "mehrere prinzipiell gleichberechtigte Eliten ohne politischen Herrschaftsanspruch" geben sollte, wie die Autorin zitiert wird, aber warum setzt Schmoll ihr an sich gutes Argument dann nicht durch, fragt sich die Rezensentin. Stattdessen schiebt sie das Versagen einer pluralen Elitebildung und ihrer Akzeptanz einseitig der Bildungsmisere in die Schuhe und blendet die wirtschaftlichen Machtfaktoren, die durch "zirkuläre Selbstrekrutierung" entstehen, aus. Auf ihrem Gebiet der Bildungsforschung ist Schmoll dann aber wieder auf diskursiver Höhe: Sie sieht in der G8-Reform schädliches Nützlichkeitsdenken am Werk und entlarvt die Exzellenzinitiative als universitäre Mogelpackung, so die Rezensentin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008
Paul Nolte stellt die Kollegin Heike Schmoll als versierte Bildungsexpertin vor und geht mit den in dem "schlanken, konzisen Büchlein" vertretenen Thesen grundsätzlich d'accord. Elite sei für die Autorin eher eine Haltung als eine soziale Position, individuelle Mündigkeit und Leistung gehören dazu, nicht die Erziehung in einer Eliteschule mit gutem Namen. Das würde Nolte alles unterschreiben. Die grundsätzliche Kritik am europäischen Bologna-Prozess geht ihm aber dann doch etwas zu weit, schließlich sei erwiesen, dass die Betreuung beim Bachelor intensiver ist und der Studienerfolg größer. Zurück zum alten System, das ist für Nolte auch kein Weg, und von Schmoll erfährt er auch keine Alternative. "Gut in der Diagnose", aber "schwach in der Therapie" sei die Autorin. Was immerhin schon mal die halbe Miete ist.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…