Der Gegensatz zwischen Stadt und Land ist eine der wirkmächtigsten politischen Konfliktlinien unserer Zeit. Mittlerweile erschüttert er auch die föderale Konsensdemokratie der Bundesrepublik: Während die Kluft zwischen urbanen Zentren und der Peripherie zunimmt, versuchen die Parteien immer stärker, die lokalen Identitäten der Bürger politisch zu mobilisieren. Lukas Haffert vermisst mit seinem Buch die Geografie der neuen Polarisierung in Deutschland. Bei keiner Bundestagswahl war der Stadt-Land-Graben so tief wie bei der im September 2021. Zunehmend prägt dieser Konflikt also auch die politische Landschaft in Deutschland. Der Aufstieg des Rechtspopulismus ist dabei nur die eine Seite der Medaille. Lukas Haffert argumentiert in seinem Buch, dass Stadt-Land-Konflikte immer dann besonders scharf werden, wenn sich ökonomische Struktur und Lebensstile in großen Städten besonders stark von denen auf dem Land unterscheiden. Er erklärt, warum diese Unterschiede in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem seit einiger Zeit wieder zunehmen, und fragt, welche politischen Folgen das hat. Dabei zeigt Haffert den Zusammenhang wachsender Stadt-Land-Gegensätze mit dem Aufstieg der AfD, den Wahlerfolgen der Grünen und den wachsenden Repräsentationslücken im deutschen politischen System. In der zunehmenden Kritik an der vermeintlich abgehobenen Elite in Berlin erkennt er den Versuch, diesen Gegensätzen politische Sprengkraft zu verleihen. Die Grünen und die AfD als Exponenten einer neuen Stadt-Land-Spaltung Urbane Metropolen gegen ländliche Peripherie: Die "Geografie der Unzufriedenheit" in Deutschland Warum ländliche Gegenden in der "Berliner Blase" zu kurz kommen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2022
Rezensentin Ulla Fölsing lernt beim Volkswirt Lukas Haffert mehr über die Unterschiede zwischen Stadt und Land. Vor allem die sozioökonomische Struktur und die politischen Folgen im Blick erläutert ihr der Autor, "akribisch" Wahlergebnisse, Tabellen und Zahlen nutzend, das durchaus internationale Phänomen des Stadt-Land-Gefälles. Dass Haffert historisch, politisch, kulturell und wirtschaftlich hinschaut, wenn er Multiplikatoren, Verlierer und Profiteure des Phänomens herausarbeitet, findet Fölsing überzeugend.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.04.2022
Rezensent Thomas Groß kann dem Politologen Lukas Haffert nachsehen, dass er in seinem Buch über das Stadt-Land-Gefälle und den Wandel zur Wissensgesellschaft keine wohlfeilen Lösungen anbietet. Das Thema ist komplex, ahnt Groß und gibt sich zufrieden mit Hafferts statistisch "unterfütterter" Analyse der Konfliktlinien und Paradoxien des thematisierten gesellschaftlichen Wandels. Dass der Autor die Dynamik zwischen urbanen und ländlichen Milieus aufzeigt, Gewinner und Verlierer ökonomischer Modernisierung benennt, scheint ihm schon allerhand.
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