Seraphica schildert das Leben und Wirken des heiligen Franz von Assisi. Auf der Grundlage akribischer Quellenstudien hat Doderer eine ebenso interessante wie eigenwillige Franziskus-Biografie entworfen, die den Vergleich etwa mit Hermann Hesses bekannter Erzählung über den Heiligen aus Assisi nicht zu scheuen braucht. Montefal führt eine verkehrte höfische Ritterwelt vor: Obwohl sein Kampf mit dem Drachen im Wald von Montefal ihn hierzu berechtigen würde, verabsäumt es der spanische Ritter Ruy de Fanez, um die Herzogin Lidoine zu werben. Als ihm ein anderer Ritter das potentielle Liebesglück streitig macht, versinkt Herr Ruy in schwärzester Melancholie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009
Martin Mosebach nimmt sich in seiner Besprechung den ganzen Doderer, die lange Perspektive vor und erkennt in den beiden aus dem Nachlass veröffentlichten Erzählungen, namentlich in der "gewichtigeren Seraphica" mit einigem Wohlwollen den Ausgangspunkt von Heimito von Doderers Schreibentwicklung hin zur Vollendung. Wie der noch junge Autor sich dem Leben des heiligen Franziskus von Assisi annimmt, kann für Mosebach zwar mit vergleichbaren Stoffbearbeitungen, etwa durch Julien Green, nicht mithalten. Doderers ganz eigene, auf tiefere Ebenen des Stoffes abzielende Lesart jedoch hat für den Rezensenten ihren Reiz. Dass sich der Autor nur mit ganz bestimmten Episoden aus dem Heiligenleben beschäftigt und die Religion eher marginal behandelt, findet er symptomatisch. Stattdessen, schreibt Mosebach, geht es dem Autor um noch verborgene Stimmungsessenzen, die er mittels seiner "meditativen Disziplin", durch die sich der Text im Idealfall quasi von selbst einstellt, ans Licht holt. Für Mosebach führt das zu überraschenden Lektüremomenten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.03.2009
Für Gustav Seibt ist diese Veröffentlichung von zwei frühen Erzählungen aus dem Nachlass Heimito von Doderers, beide kurz nach seiner russischen Kriegsgefangenschaft nach 1920 entstanden, vor allem deshalb interessant, weil sie zeigen, aus welchen Quellen er speiste. "Montefal" ist ein Rittermärchen in Tieck'scher Manier, hinter dem sich ein Künstlerdrama a la "Tonio Kröger" verbirgt, erklärt der Rezensent. Spannender als diese "leichte" und "gefällige" Geschichte findet Seibt allerdings die Franziskus-Legende "Seraphica". Bemerkenswert erscheint dem Rezensent, dass Doderer sich hier mit mittelalterlichen Stillagen beschäftigt und zudem mittelalterliche Texte verarbeitet. Und auch wenn diese Erzählungen nach Ansicht Seibts noch nicht die Qualität der späteren Texte des österreichischen Autors aufweisen, so können gerade die Landschaftsbeschreibungen durch ihre Unmittelbarkeit den Vergleich mit Rilke oder Hesse ohne weiteres standhalten, wie er anerkennend bemerkt.
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