Zeitlebens war "Amerika" für Heiner Müller eine Traum- und Projektionsmaschine. Unvergessen bleibt der erste Mickey-Mouse-Film des Kindes in Eppendorf, prägend die Faulkner-Lektüre des Jugendlichen. Die frühe Faszination paart sich mit der ablehnenden Skepsis gegenüber der aggressiven Politik des Systemgegners im Kalten Krieg. Als Müller 1975 und in späteren Jahren die USA und Mexiko bereist, verbringt er Tage und Wochen im Kino, trifft den Regisseur Robert Wilson und gewinnt den Weiten des Landes mit dem Begriff der Landschaft die entscheidende Kategorie für die Erneuerung der eigenen Theaterarbeit ab. Zugleich blieb "Amerika" für Müller die Chiffre des schlechten Ganzen im mittlerweile globalen Kapitalismus - und der verpassten Möglichkeit von Geschichte. Alphabetisch geordnet, versammelt das Buch die wichtigsten Passagen aus dem Werk Müllers zum Komplex Amerika.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.09.2020
Arno Widmann schlägt die Hände überm Kopf zusammen angesichts von Heiner Müllers versammelten Meinungen über die USA. Für Widmann ist das im wesentlichen großer Quatsch und Ausdruck für Müllers Borniertheit, etwa, wenn der auf sein sozialistisches Material angewiesene Schriftsteller erklärt, die USA hätten keine echten Traumata erlebt. Großartig hingegen findet Widmann Müllers ebenfalls abgedruckte Edgar-Allan-Poe-Bearbeitung oder auch seine Analyse von Robert Wilsons Theater. Da schaut Widmann am Ende tatsächlich neu auf Literatur und Theater.
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