Herausgegeben von Jan-Christoph Hauschild. Nirgendwo offenbart sich Heine so unmittelbar wie in seinen Briefen, die er selbst ein Thermometer seiner Gemütsstimmung nannte. Mit ihrer Hilfe organisierte er seine Polemiken und öffentlichen Abrechnungen, in ihnen hielt er seinen Alltag fest und entwarf ein Bild seiner Freunde und Feinde. Es sind bezwingende Liebeserklärungen, aber auch schneidende Kampfansagen. Alle sprachlichen Register der Überredung, Beschwörung, Drohung, Schmeichelei nutzte er für seine Zwecke, sei es im Erbschaftsstreit mit den Hamburger Verwandten, in Verlagsverhandlungen oder in der Korrespondenz mit der Mutter, vor der er seine Krankheit verbarg. Die Briefe sind Ausdruck der Rastlosigkeit, ja Gehetztheit eines unablässig Tätigen, dem Ruhe kaum beschieden war. Selbst in seiner Pariser Häuslichkeit mit Mathilde, der langjährigen Geliebten und Ehefrau, konnten die Widersprüche keinen Ausgleich finden. Und immer ist es die Liebe, die unmögliche und hoffnungslose, die als Grundton seines Lebens auch die Musik seiner Briefe prägt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2006
Mit großer Freude hat Wolfgang Schneider diesen von Jan-Christoph Hauschild herausgegebenen Band gelesen, der am Leitfaden der Biografie 199 Briefe Heinrich Heines versammelt, die das Leben des Dichters "seinen Alltag, seine Zerwürfnisse und Verletzungen" ungeschützt offenbaren. Neben vielen Briefen an Verwandte und die Mutter biete die Liste der Adressaten auch zahlreiche "prominente Namen" wie Alexandre Dumas und George Sand, Marx und Rothschild, Liszt und Meyerbeer, Goethe und Gutzkow. Die Lebendigkeit der Briefe und die "Palette der Gefühle", die darin ihren Ausdruck findet, von "sirupsüßer Schmeichelei" bis hin zu "schneidender Bosheit", haben Schneider fasziniert. Er würdigt Heines Fähigkeit, "mit wenigen Worten Situationen und Personen darzustellen und in ein komisches oder entlarvendes Licht zu rücken". Auch äußert er seine Bewunderung für dessen "pointierten, bildhaften Ausdruck". Berührt haben ihn insbesondere die Briefe, in denen Heine, erblindet und halbgelähmt, über seinen nahenden Tod schreibt. Schneider hält fest, dass der Herausgeber die fünf Kapitel des Buches zum besseren Verständnis mit biografischen Einführungen versehen hat. Darüber hinaus hätte er sich aber auch über ein "paar Anmerkungen oder Fußnoten" gefreut.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…