Nach der erfolgreichen Einführung in die Soziologie erscheint nun eine zweite nachgelassene Vorlesung mit Einführungscharakter von Heinrich Popitz. Hatte Popitz dort die grundlegende Frage nach den Bedingungen der Genese, der Integration und Stabilität von Gesellschaft gestellt, so geht er in seiner Allgemeinen Soziologischen Theorie den Normen auf den Grund: Die verbindliche Regelung von Handlungssituationen ist das Basiselement jeglicher Form von Vergesellschaftung und bietet daher einen universalen Ansatzpunkt zur Gesellschaftsanalyse. Nicht ein von instinktähnlichen Impulsen geleiteter "Kollektivgeist", sondern erst die normative Regelung von Situationen macht soziales Handeln erwart- und damit auch berechenbar und ist somit für das Funktionieren gesellschaftlicher Ordnung unerlässlich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.03.2012
Der Soziologe Tilman Allert rezensiert die jetzt erschienene Mitschrift der Vorlesung "Allgemeine Soziologie Theorie" einer der deutschen Gründungsväter der Soziologie nach dem Nationalsozialismus und würdigt ihn mit einer Hommage. Heinrich Popitz gilt ihm als avantgardistischster Vertreter der Zunft in seiner Zeit, weil er sich mit der Soziologie von Herrschaftsbeziehungen, Autorität und Macht mit Seitenblicken auf die Anthropologie beschäftigte, wie Allert wissen lässt. Besonders angetan ist der Rezensent, dass die Herausgeber Jochen Dreher und Andreas Göttlich, die den Band zudem hervorragend kommentiert haben, wie der Rezensent lobt, den Wortlaut der Vorlesung beibehalten haben. So kann man in der Ankündigung einer Faschingsfeier oder dem Hinweis auf den Ausfall einer Vorlesung eines Kollegen auch ein Stück Universitätsalltag vor den Umwälzungen der 1960er Jahre mitlesen, die noch eine "Einheit" von Studenten und Lehrenden voraussetzten, so der Rezensent augenscheinlich ein bisschen nostalgisch.
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