Die griffige Formel einer Neuen Bürgerlichkeit sorgt seit einigen Jahren für Aufsehen. Neu an dieser forcierten Thematisierung von Bürgerlichkeit und Bürgertum ist, dass sie alle intellektuellen Generationen und Milieus umfasst und nicht nur in akademischen Nischen Interesse erregt, sondern gleichermaßen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorangetrieben wird. Neu aber ist auch, dass dieser neuen Bürgerlichkeit ihr traditioneller Träger verloren zu gehen scheint: das Bürgertum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.12.2010
Auch oder vielleicht gerade denen, die die Debatten um eine neue deutsche Bürgerlichkeit als heiße Luft abtun, kann Gustav Seibt diesen "anregenden" Sammelband als Zwischenstandsbericht empfehlen. Insbesondere, dass der Band die zwei Ebenen der Bürgerlichkeitsdiskussionen, nämlich die "gesellschaftstheoretische" und die "ständische" verdeutlicht, findet Seibt erfreulich, auch wenn er vermutet, dass das eher unbeabsichtigt geschieht. Deutlich führt ihm das Buch auch vor Augen, dass der Begriff der Bürgerlichkeit als Gegenwartskategorie im Gegensatz zu anderen beschreibenden Gesellschaftsbegriffen aufnahme- und tragfähig ist. Mal bissig, mal entspannt lesen sich hier die glänzenden Beiträge von Heinz Bude, Karl Heinz Bohrer und anderen, so Seibt angetan. Allerdings ist für den Rezensenten sehr spürbar, dass der aus einer Tagung 2007 hervorgegangene Band im Wesentlichen vor der Finanzkrise zusammengestellt wurde, denn die darin präsente ablehnende Haltung gegenüber "Sicherungsfunktionen des globalen Staatenverbunds" hat sich mittlerweile stark vermindert, wie Seibt meint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2010
Restlos überzeugt von diesem Sammelband zum Thema neue Bürgerlichkeit ist Thomas Thiel jedenfalls nicht. Obgleich er die Reflexionen der Autoren eigentlich recht gut gestreut findet und ihm die vielbeschworenen bürgerlichen Tugenden der Selbstverantwortung und Leistungsorientierung als wichtige Momente des bürgerlichen Wertekatalogs ausreichend beleuchtet erscheinen, hätte er sich die These von der frei schwebenden Bürgerlichkeit ohne Trägerschicht doch besser belegt gewünscht. Die empirischen Befunde, meint er, fallen doch allzu häufig hinter den normativen Anspruch zurück. So wird der Wille zur Bürgerlichkeit zwar gut dokumentiert, meint Thiel, zugleich jedoch sorge er auch für eine entsprechende Vorformung des Bürgers zum Erklärungsmuster.
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