Eduard Has sieht sich als Glückskind: Der Krieg hat seine Heimatstadt Frankfurt zwar gründlich zerstört, aber das eröffnet der eigenen Immobilienfirma ungeahnte Chancen. Seinen Erfolg adelt er mit einer stattlichen Sammlung des eben noch verfemten Expressionismus, neben die kühl-elegante Ehefrau tritt eine sinnliche Geliebte, die Tochter Lilly betet er an. Warum nur kann das Leben nicht ewig so weitergehen?
"Westend " spielt in dem in der Gründerzeit erbauten Frankfurter Stadtteil, der zwischen Palmengarten und der Alten Oper liegt. Im Geist der großen europäischen Gesellschaftsromane ist sein eigentlicher Gegenstand die Stadt mit ihren Bürgern aller Schichten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 01.04.2019
Beim Lesen der Neuausgabe von Martin Mosebachs Roman aus dem Jahr 1992 erkennt Helmut Böttiger, wie weit der Autor seiner Zeit voraus war. Unzeitgemäß für die damalige pop-infizierte Literaturzeit findet er den Text schon wegen seines schwelgerischen Tons und seiner an Thomas Mann erinnernden Struktur. Indem der Autor die Geschichte zweier Frankfurter Bürgerfamilien über drei Generationen verfolgt, elegant psychologisiert, pikante personelle Konstellationen entwickelt und nebenbei Spekulation im Frankfurter Westend in der Nachkriegszeit thematisiert, gelangt er laut Böttiger zu bemerkenswerten Einsichten über Raumausstattung und Seelenleben gleichermaßen. Lange, gespreizte Sätze wie bei Doderer, vor allem aber Mosebachs mitunter angestrengter Versuch, ironische Distanz einzuziehen, machen die Lektüre für Böttiger allerdings nicht immer leicht.
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