Mit farbigen Abbildungen. "Abgereist, ohne Angabe der Adresse/parti, sans laisser d'adresse" - mit diesem postamtlichen Klebezettel wurden zahlreiche Postsendungen versehen, ehe die Reichspost sie an ihre Absender außerhalb Deutschlands zurückschickte. In Wahrheit waren die meisten Adressaten nicht "abgereist", sondern vertrieben oder ermordet worden, weil sie Juden waren. "Abgereist" wurde so zur Metapher für das Verschwinden der Juden aus Deutschland, bis der Klebezettel im Januar 1943 von der Gestapo verboten wurde, weil sich seine Bedeutung herumgesprochen hatte.
Nicht nur die Inhalte von Postsendungen, sondern auch ihre äußeren Merkmale legen Zeugnis von individuellen Schicksalen und historischen Ereignissen ab. Als Dokumente der Alltagskultur verleihen sie ihnen eine neue Anschaulichkeit und erweitern die Kenntnisse um Personen und Zusammenhänge. In Zusammenarbeit mit Zeitzeugen, Archiven und Sammlern in vielen Ländern hat der Autor über 300 postalische und ergänzende Dokumente zusammengetragen und verschiedenen Phasen und Aspekten von Terror und Verfolgung im Nationalsozialismus zugeordnet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.04.2018
Christiane Schlötzer staut, wie gut dieser Band des Berliner Historikers Heinz Wewer Sammlerfleiß und Aufklärungsinteresse verbindet. Die versammelten Postkarten, Klebezettel und Vignetten aus der Zeit der NS-Diktatur sieht sie als Kaleidoskop des Grauens im Kleinformat, Anschauungsmaterial einer Diktatur im Alltag. Das scheinbar Nebensächliche, Gewöhnliche verdeckt für sie dabei nicht das Schreckliche. Wie der Autor die Zeugnisse in historische Kontexte einbettet und die Geschichte der Fundstücke erzählt, findet Schlötzer ungewöhnlich, bemerkens- und lesenswert.
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