Dem rasanten Aufstieg vom Getreidehandel zum Bankhaus und Immobilienkonzern folgt die schrittweise Vernichtung. Das Schicksal der jüdischen Familie Kroch in Leipzig und ihrer Unternehmen ist nicht einzigartig und doch ganz besonders. Denn hier kann anhand überlieferter Firmenakten detailliert nachgezeichnet werden, wie raffiniert und hinterhältig sich die Einflussnahme der Nationalsozialisten auf jüdische Unternehmen vollzog.
Und besonders ist auch, dass die rücksichtslose Zerschlagung nach der Nazizeit im Sozialismus der DDR weiterging, vermeintlich gerettetes Eigentum endgültig enteignet oder unter Zwangsverwaltung gestellt wurde.
Insofern hat die Aufarbeitung des Falls Kroch, die 1990 begann, zweierlei Unrecht wiedergutzumachen: Nazi-Unrecht und DDR-Unrecht. Diese Unternehmensgeschichte ist also ein überaus verzwickter Fall. Sie spiegelt eindrucksvoll ein Stück deutscher Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2018
Jochen Zenthöfer bekommt mit dem Buch von Hans-Otto Spithaler, Rolf H. Weber und Monika Zimmermann ein überaus spannendes und lehrreiches Stück Familien- und Wirtschaftsgeschichte. Über die Entwicklung und Erhaltung eines jüdischen Familienunternehmens vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die Nazizeit und den DDR-Unrechtsstaat hinweg informieren die Autoren laut Zenthöfer anschaulich, kenntnisreich und unterhaltsam. Dass das Unternehmen Kroch weiterhin besteht und seine Geschichte im Leipziger Stadtbild zu entdecken ist, lässt den Rezensenten staunen.
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