Helmut Krausser

Die letzten schönen Tage

Roman
Cover: Die letzten schönen Tage
DuMont Verlag, Köln 2011
ISBN 9783832196196
Gebunden, 200 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Serge Hanowski ist Mitte dreißig und Werbetexter in einer Berliner Agentur. Er ist manisch - mit einer Prise diabolischem Feuer. Eines Nachts wartet Serge auf die letzte Bahn nach Neukölln, als er auf den Gleisen ein Centstück liegen sieht. Er weiß sofort: Das ist mein Glückscent. Aber runterspringen? Die Vernunft siegt. Serges größter Wunsch ist es, endlich seine Freundin Kati zu heiraten. Was er nicht weiß: Kati hat ein Verhältnis mit seinem Arbeitskollegen David. Doch sie entscheidet sich für ihn und eine gemeinsame Auszeit auf Malta. Die beiden kommen bei den halbseidenen Angestellten eines Online-Poker-Servers unter, was ihr Leben nicht einfacher macht. Und auch auf der Insel wird Serge von Eifersucht getrieben. Er hackt sich in Katis E-Mail-Zugang ein und beginnt in ihr Leben einzugreifen. Kati kann nur ahnen, wozu Serge in der Lage ist. Tempo, Witz und die Fallstricke einer Dreiecksbeziehung machen Helmut Kraussers neuen Roman zu einer rasanten Tragikomödie um Liebe, Entsagung - und nahrungsverweigernde Kater.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2011

Eine entfesselte TV-Serien-Ästhetik sieht Rezensent Helmut Böttiger in Helmut Kraussers jüngstem Roman und wiewohl er hier ein erzählerisches Risiko erkennt, findet er doch, dass dem Autor insgesamt ein "suggestiver" Gegenwartsroman gelungen ist. Denn erzählt wird in scheinbar unverbundene Episoden aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei die Verbindung der Figuren untereinander erst spät zutage treten, erklärt der Rezensent. Soviel aber macht er aus, dass nämlich neben den wohlstandsverwahrlosten Jugendlichen Becky, Cyberjack und Ryan, den beiden Lehrerinnen Jule und Lisbeth im Zentrum des Romans die Dreiecksgeschichte von Kati, ihrem Freund Serge und David, mit dem sie eine Affäre hat, steht. Der Rezensent weiß das Raffinement zu schätzen, mit dem der Autor die "Austauschbarkeit" seiner Figuren und ihre vergeblichen Bemühungen um Identität demonstriert. Wenn Krausser auch mitunter etwas melodramatisch sei und ihm hin und wieder durchaus stilistische Schnitzer unterliefen: insgesamt wird hier doch sehr überzeugend und sehr gegenwärtig Wirklichkeit aufgerufen, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2011

Seltsam sei das schon mit Helmut Krausser: ein so einzigartiger Autor, der Fleiß, Vielseitigkeit und Experimentierfreude besitzt, sei noch immer, meint Felicitas von Lovenberg, als "Außenseiter" im Rund der im deutschen Literaturbetrieb Sesshaften zu betrachten. Mit seinem jüngsten Roman, der sich ganz an die Berliner Gegenwart anschmiegt, ist ihm, lobpreist die Rezensentin, mal wieder ein Ausnahmewerk gelungen. Verschiedene Geschichten um ein Freundinnenpaar auf Floridareise, ein Strang um ein ausgelaugtes Ehepaar mit unerträglichem Mann und zunächst zum Schein unverständlich aushaltender Frau werden zusammen- und ineinandererzählt. Und zwar so, dass jede einzeln für sich und sie alle im Zusammenhang für von Lovenberg sich letztlich zu einem Werk runden, dem sie "dramaturgische Finesse" ebenso wie durchgehende "Subtilität" attestiert.

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