Als er zehn Jahre alt ist, erschießt eine flüchtige Terroristin seinen Vater, einen Polizisten. Seither leidet er unter Schlafstörungen. Alle Versuche, sich davon zu befreien, misslingen. Stattdessen führt er ein abgekapseltes Leben mit seiner Mutter. Er schafft es nicht, sich dauerhaft von ihr zu lösen und lebt ohne eigene Ziele dahin. Als er dreißig Jahre alt ist, plant er selbst einen Mord. Jetzt tötet er die Mörderin seines Vaters, die für ihre Tat nur eine Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren erhalten hat. Nach der Tat flieht er nach New York. Dreiundzwanzig Tage gibt er sich Zeit - länger reicht das Geld nicht - , um vor sich und dem Leser Rechenschaft abzulegen. Ist die Tat irgendwie zu rechtfertigen? Soll er sich stellen? Oder wird es ihm endlich gelingen, ein eigenes Leben zu führen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2009
Der hier rezensierende Oliver Tolmein kann nur Gutes über diesen Debütroman sagen. Helmut Marrat erzählt darin eine RAF-Nachfolgegeschichte, die der Rezensent als klug konstruiert und unprätentiös erzählt findet. Es geht um den Sohn eines Polizisten, der bei einem Attentat der RAF ermordet wurde. In seinem eigenen Leben hat der Sohn nichts wirklich hinbekommen, er lebt noch bei seiner Mutter, und als die Frau, die seinen Vater erschossen hat, aus dem Gefängnis kommt, nimmt er zum ersten Mal in seinem Leben etwas in Angriff, nämlich sie zu töten. Dass dies nicht unbedingt einen Befreiungsschlag darstellt, scheint absehbar, aber der Rezensent findet es überzeugend, wie Marrat die Geschichte der RAF und eines Menschen verknüpft, der seiner Opfer-Rolle entkommen will.
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