Aus dem Englischen übersetzt von Christian Wiese. 1941: Das meint den Beginn der Shoah mit der Inbetriebnahme der ersten Vernichtungslager und mit Pogromen, Massenerschießungen und Massenmorden, durchgeführt von SS-Einsatzgruppen und Wehrmachtstruppen in Polen und der UdSSR. Wenn man die deutsche Geschichte mit diesem einen statt anderer möglicher Fluchtpunkte betrachtet, dann stellt sich die Kernfrage wieder und neu: Welche Kontinuitäten der deutschen Geschichte führten zum Holocaust, welche Gründe und Vorgeschichten hat der Sturz in die Barbarei, wie konnte es geschehen, dass Deutsche zu Massenmördern wurden und eine Mehrheit von Deutschen zum Teil wissentlich, zum Teil halbbewusst duldend Komplizen dieses Völkermords waren? Vor über zehn Jahren hat der amerikanische Politologe Daniel J. Goldhagen diese Hauptfrage der Zeitgeschichte mit seiner These vom spezifisch deutschen eliminatorischen Antisemitismus beantwortet, und er stieß damit sowohl eine heftige öffentliche Diskussion an als auch auf fachliche Kritik. Aus fundiert historischer Perspektive versucht Helmut Walser Smith zu erklären, wie es in Deutschland zum Verlust der Menschlichkeit kommen konnte und welche Ideologien mit langen Traditionen - Nationalismus, Antisemitismus, Rassismus - diesen Zusammenbruch, der 1941 geschehen war, ermöglichten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.06.2010
Der amerikanische Historiker Helmut Walser Smith wählt als "Fluchtpunkt" seiner deutschen Geschichte den Entschluss der Nationalsozialisten zum Massenmord an den Juden, erklärt Gustav Seibt. Damit stellt er "neue Fragen", die naturgemäß "neue Antworten" hervorbringen und am Ende gar ein überraschendes Fazit zeitigen, so der Rezensent interessiert. Lässt nämlich der Untertitel, indem er von "Kontinuitäten" spricht, eine Wiederauflage der Goldhagen-These erwarten, sieht Smith im staatlich organisierten Massenmord tatsächlich einen "Bruch" der Geschichte, auch wenn der Holocaust auf der modernen Staatenbildung gepaart mit dem späten europäischen Kolonialismus und einem "Aufstieg des modernen Rassendenkens" fußt, erklärt der Rezensent. Lob erhält der Autor für seine genaue Nachzeichnung der Entwicklung von gemeindlicher Ausgrenzung und der nicht nur auf Deutschland beschränkten Gewalt gegen Juden, wobei Seibt positiv ins Auge springt, dass Smith sich nirgends auf eine Relativierung des Holocausts (als zwangsläufige Radikalisierung einer allgemeinen historischen Entwicklung etwa) einlässt. Laut Autor bleibt der Massenmord an den Juden ein "Produkt konkreter Entscheidungen" und stellt einen "Zusammenbruch der Mitmenschlichkeit" ohne Parallelen dar, so der Rezensent, der damit den Titel dieser Studie "relativiert" sieht.
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