Henning Köhler

Deutschland auf dem Weg zu sich selbst

Eine Jahrhundertgeschichte
Cover: Deutschland auf dem Weg zu sich selbst
Hohenheim Verlag, Stuttgart 2002
ISBN 9783898500579
Gebunden, 749 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mit zahlreichen Abbildungen. Im wiedervereinigten Deutschland herrscht ein Klima, das in manchem an das 1918 untergegangene Kaiserreich erinnert: die Gleichförmigkeit des Lebens, eine im großen und ganzen wohlhabende Gesellschaft, der zähe Kampf um soziale Besitzstände und ein ausgeprägtes Rechtsgefühl, aber auch ein hohes Maß an innerer Zerrissenheit, Aggressivität gegen vermeintliche oder echte Feinde und der Graben zwischen Ost und West anstelle des damaligen Gegensatzes zwischen Nord und Süd. Ist Deutschland damit "auf dem Weg zu sich selbst"?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.05.2002

Dickes Buch, dicke Besprechung. Zumal Hans-Ulrich Wehler sich alle Mühe gibt, kein gutes Haar daran zu lassen. Was der Berliner Historiker Köhler da als eine Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert vorlegt, erscheint ihm, inmitten der lebhaften Konkurrenz, tatsächlich als "das Unikat eines genuinen Lückenfüllers", nur eben nicht im allerlöblichsten Sinne: Derart unverhüllt, so Wehler, sei hier der "Drang zum reaktionären Verdikt", seien der methodische Anachronismus (einer "narrativen, streng chronologisch orientierten Politikgeschichte"), der Mangel an analytischem Interesse und die "cholerische Bekenntnisfreude beim Fällen schroffer Werturteile". Und Wehler spart nicht mit Belegen: wie Köhler allenthalben das Feindbild der "Linksintellektuellen" (mit Sebastian Haffner an der Spitze) attackiert, einen deutschen Sonderweg ins Jahr '33 bestreitet, Hitler gegen den Vorwurf des Antimarxismus und Antisemitismus als dominierende Elemente seiner Politik verteidigt und schließlich Helmut Kohl mit "Jubelrhetorik" überhäuft. Wer, schließt ein rat- und verständnisloser Rezensent, soll bloß für "diesen uralten Neurevisionismus zu Beginn des 21. Jahrhunderts gewonnen werden?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2002

Nach Ansicht des Rezensenten Rainer Blasius ist dieses Buch eher ein "Werk für Fortgeschrittene", was nicht zuletzt daran liege, dass auf manches zwar hingewiesen, aber nicht alles ausgeführt werde. So fehle manchmal das "Fleisch" bei dieser Darstellung, die "Gräten" der Geschichte würden aber in jedem Fall geboten, so der Rezensent, der das Buch als "pointierten Überblick" beschreibt. Blasius betont die "umfassende Kenntnis" nicht nur der Quellen, sondern auch der Forschungsliteratur, über die der Autor verfügt. Interessant findet er auch, dass der Autor so manches Ergebnis der Forschung "gegen den Strich bürstet" und zu eigenen Einschätzungen kommt. Nicht jedem Detail sei dabei zuzustimmen, aber alles in allem biete das Buch eine "anregende Lektüre", lobt der Rezensent.
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