Hochwohlgeboren, sogar, als Angehöriger eines alten preußischen Offiziersgeschlechts, mit Verbindungen zum Königshaus. Unterordnung war ihm unerträglich, dabei hat die Herkunft seinen Willen beschädigt. Als Offizier ist Heinrich von Kleist über den zweitniedrigsten Rang nicht hinausgekommen. Die akademische Laufbahn war nach drei Semestern Studium beendet. Zweimal versuchte er, Beamter zu werden, und schied während des Vorbereitungsdienstes wieder aus. Mit seinen publizistischen Unternehmungen ist er gescheitert. Zwei seiner acht Theaterstücke wurden, solange er lebte, nicht gedruckt, fünf nicht aufgeführt. Er war schwierig im Umgang. Eine Frau hat er nicht fürs Leben gefunden, nur für den Tod. Aber er schrieb wie keiner. Solche Texte hatte man noch nicht gelesen, solche Stücke noch nicht gesehen. Seine Analysen waren der Geschichte, seine Bilder der Literaturgeschichte voraus. Wie Herbert Kraft das Leben Kleists erzählt, wird das Buch zu einer spannenden Unterhaltung. Auch die Bedeutung der Werke stellt er erzählend dar, in anschaulichen und genauen Beschreibungen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 06.12.2007
Gerhard Neumann hat vier neue Kleist-Biografien gelesen, die er alle für ihre ganz unterschiedlichen Verdienste zu schätzen weiß und das, obwohl dieses Feld in der Germanistik bereits stark beackert wurde. Herbert Kraft hat sich vorgenommen, Kleists Leben und Werk in einer nicht einmal 300 Seiten langen Monografie darzustellen und dieses ambitionierte Vorhaben gelingt ihm laut Rezensent auch durchaus. Indem er die These stark macht, dass es dem Dichter stets um "Selbstbestimmung" und Selbstwerdung ging, deutet er sowohl Kleists Lebensstationen als auch seine literarischen Werke im Spiegel der zeitgenössischen "Philosophie des Subjekts" von Kant und Fichte, so der Rezensent ganz einverstanden. Beeindruckend findet Neumann Krafts akribische Quellenauswertung und ihm ist der nüchterne und knappe Stil des Autors angenehm. Besonders aber glänzt Kraft in seinen kurzen, durch ihre Prägnanz und Pointiertheit überzeugenden Werkinterpretationen, lässt der Rezensent wissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
In seiner Sammelrezension zu neuen Kleist-Biografien hebt Rezensent Hans-Jürgen Schings diejenige von Herbert Kraft hervor als eine, die dem Publikum mittels kraftvoller und offenbar recht apodiktisch daher kommender Urteile einen Kleist im Schnelldurchgang präsentiert. Hier würden weniger abwägende Urteile gefällt als einige kritische und gut pointierte Thesen vorgelegt. Ganz offenbar hat Schings auch dieser Kleist-Biografie viel gutes abgewinnen können. Allerdings entsteht beim Leser der Besprechung der Eindruck, dass es den Rezensenten weniger überzeugt, wenn Kleist wieder einmal als "Widerständler" vorgeführt wird.
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