Herman Bang

Tine

Roman
Cover: Tine
Manesse Verlag, Zürich 2011
ISBN 9783717522409
Gebunden, 316 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Ingeborg und Aldo Keel. Tine, die Tochter des Küsters auf einer malerischen dänischen Ostseeinsel, ist bei dem jungen Ehepaar Berg ein gern und häufig gesehener Gast. Vor allem mit Frau Berg verbindet sie eine innige Freundschaft. Doch dann bricht jäh der Krieg in die Idylle ein: Tines friedliches Heimatdorf liegt plötzlich am Rand eines Schlachtfelds, Flüchtlinge und Verwundete werden einquartiert, während der Kanonendonner immer näher rückt. Inmitten der spannungsgeladenen Atmosphäre wird sich Tine ihrer lange verdrängten Gefühle für Berg bewusst Vor dem Hintergrund des deutsch-dänischen Krieges 1864 entfaltet sich eine leise, melancholische Liebesgeschichte, in verhaltenen Gesten und zaghaften Blicken zunächst nur angedeutet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2012

Großen Eindruck hat Herman Bangs Roman "Tine" von 1889, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt, bei Lothar Müller hinterlassen. Er würdigt dieses Werk des dänischen Schriftstellers als einen der "großen europäischen Kriegsromane", als Abrechnung mit Kriegsbegeisterung in Dänemark angesichts deutsch-dänischen Krieges von 1864. Die vor dem Hintergrund dieses Kriegs entfaltete Liebesgeschichte der Küstertochter Tine und eines verheirateten Forstmeisters, der im Krieg fällt, verbindet für Müller "politische Desillusionierung" und das "Scheitern der Liebeshoffnung" auf grandiose Weise und zeigt Bang einmal mehr als eindrucksvollen Erzähler. Lobend erwähnt er Ingeborg und Aldo Keels exzellente Übersetzung des Romans sowie deren kenntnisreichen Kommentare und das erhellende Nachwort.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2011

Tobias Lehmkuhl legt uns Herman Bangs Liebesroman "Tine" von 1889 wärmstens ans Herz und betont, dass der Deutsch-Dänische Krieg 1864 darin mehr ist als bloß die historische Folie einer tragischen Geschichte. Der Roman gilt dem begeisterten Rezensenten als exemplarisch für Bangs Gabe, Tragisches und Gewichtiges leicht und "komödiantisch" zu verpacken. In "Tine" erzählt der dänische Autor von Liebe in Zeiten des Krieges, wobei der Krieg genauso tragisch endet wie die verbotene Beziehung zwischen Tine und dem Forstmeister Berg: er fällt im Krieg, sie bringt sich aus Schuldgefühl um. Lehmkuhl zeigt sich von der kammerspielartig inszenierten Handlung, die von Kriegsbegeisterung zu bitterer Niederlage, von großer Leidenschaft zur Ernüchterung führt, sehr gefesselt und sieht insbesondere mit diesem meisterhaften Roman Bangs hohen Rang als Schriftsteller untermauert. Dass er zudem hervorragend ins Deutsche übersetzt ist, lässt der Rezensent ebenfalls nicht unerwähnt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2011

Die stille und doch eindrückliche Erzählweise, mit der Herman Bang (1852-1917) das Schicksal seiner jungen Protagonistin mit der Kriegsniederlage Dänemarks 1864 gegen Preußen und Österreich verknüpft, hat Rezensentin Hannelore Schlaffer in den Bann gezogen. Denn wie die Geschichte Tines, die ihre Freundin mit deren Mann betrügt und sich aus Scham und Schuldgefühl im Schlamm erstickt, spielt die Geschichte Dänemarks sich vor allem als hereinschallendes Kriegsgetöse in den Innenräumen der Häuser und Figuren ab, stellt sie fest. Die Konzentration auf das Kleine ist es, was Bang, dessen Roman 1889 erschienen ist, den Ruf des Impressionisten eingetragen hat, bei ihm wird allerdings die "Bescheidenheit" zum "Stilprinzip", erklärt die eingenommene Rezensentin. Besonders in der Kargheit der Sprache sieht Schlaffer die besondere Eindringlichkeit von Bangs Erzählweise, der nur ganz am Ende, wenn die Figuren schon längst hoffnungslos verstummt sind, die tragische Niederlage Dänemarks mit einigem "Pathos" ausmalt.
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