Ein Mann erzählt die Geschichte von E, der große Talente hatte, aber sein Leben nicht meistern konnte. Er war zur Welt gekommen, als der letzte große Krieg noch tobte, die Kindheit geprägt von Bomben, Bedrohung, Hunger, Flucht. Von den Wunden aber, die jene Zeit schlug - der Vater im Krieg, die Mutter im ständigen Überlebenskampf -, hatten E und sein Bruder keinen Begriff; die Nachkriegs-Kindheit hatte auch schöne Seiten. Doch die Wunden waren tief und heilten nicht; vor allem nicht jene von E, dem so Empfindsamen, der sie weniger gut nahm als die härter Gesottenen. In den Jahren, als es in der jungen Bundesrepublik bergauf ging, wollten E und seine Freunde Künstler werden. Doch E zerbrach daran und nahm sich 1962 das Leben. Über 50 Jahre danach erinnert sich der Erzähler, legt Dokumente vor und flaniert durch
die Gegenwart im Staunen über den Wandel der Zeiten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2016
Martin Zingg lernt bei Hermann Kinder einiges über die Kraft der Erinnerung und zugleich über ihr Fragwürdiges. Kinders Roman über einen jungen Mann aus der Kriegsgeneration, der seinen Platz in der Gesellschaft nicht findet, vermittelt durch einen Erzähler in kleinen, scharf und lakonisch formulierten Szenen, Erinnerungsfetzen aus der Nachkriegszeit, erscheint Zingg wie eine behutsame Recherche. Dass der Autor nicht auf Melancholie setzt, sondern auf einen "Vorrat fester Bilder", auf die Frage, wie eine Welt im Verschwinden zu fassen sei, gefällt Zingg gut. Das Buch findet er meisterlich.
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