Eine spannend erzählte Geschichte über den 15jährigen Taubenzüchter Freddy in den 50er Jahren, der es nicht ertragen, dass alle tun, als wäre nichts geschehen: kein Krieg, keine Zerstörung, kein Zusammenbruch - gar nichts. Überall eckt er an, nur bei seiner großen Liebe Cornelia nicht. Mit ihr zusammen will er fortgehen, wenn sie etwas älter sind. Aber bis dahin will er sich genau ansehen, was um ihn herum geschieht. Damit sein Leben nicht einfach passiert, denn das wäre das Schlimmste.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.12.2000
Der Titel des Buches, das lehrt uns diese Besprechung, ist ein Spezialbegriff aus der Taubenzucht. Darauf, dass Sonnennebel im Kontext des Romans überdies eine Metapher ist allerdings, wären wir bestimmt auch ohne die freundliche Unterstützung der Rezensentin gekommen. Roswitha Budeus-Budde setzt uns das sehr genau auseinander: Wie die Orientierungslosigkeit der Tauben, für die der Begriff steht, sich übertragen lässt auf das gefährdete Leben des 15-jährigen Helden und weiter auf die dürftigen sozialen Verhältnisse im Nachkriegsdeutschland. Die eigentliche Stärke des Romans indes scheint in seiner formalen Gestalt zu liegen. In der Perspektive des kleinen Freddy - unbestechlich und respektlos, so Budde-Budeus - den "kurzen Szenenwechseln und einer sehr intensiven und dialogreichen Sprache". Dass heutige Jugendliche dieses Buch als ein spannendes Abenteuer lesen werden, wie die Rezensentin zu wissen glaubt, mag da angehen. Dass sie dabei auf die 50er Jahre als auf "eine Zeit mit sehr viel mehr Freiräumen und Möglichkeiten der Bewährung" (als heute?) blicken werden, lässt sich jedoch bezweifeln.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.10.2000
Der in der Nachkriegszeit spielende Jugendroman hat es Reinhard Osteroth angetan. Seiner Ansicht nach ist er auch für Erwachsene lesbar, die selbst noch Erinnerungen an diese Zeit haben. Der Rezensent lobt die Mixtur aus "Milieustudie, Dorfkrimi und Liebesgeschichte", die die Vergangenheit lebendig werden lasse, ohne sie zu beschönigen oder nostalgisch zu "verklären". Er begrüßt, dass trotz der dargestellten ernsten Konflikte "Witz und Pfiff" nicht zu kurz kommen und preist den Autor für seine "unverstellte Erzählkunst", die einen historischen Roman mit einem sehr lebendigen jugendlichen Helden erschafft hat.
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