Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Herta Müller wurde 1953 im rumänischen Nitzkydorf geboren; nach einem Studium der Germanistik und Rumänistik arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde aber entlassen, weil sie sich weigerte, mit Ceausescus Geheimdienst Securitate zusammenzuarbeiten. Ihr erstes Buch "Niederungen" erschien, nachdem die Veröffentlichung jahrelang verhindert wurde, 1982 nach starken Eingriffen der Zensur in Bukarest und 1984 in der Originalfassung in Westberlin. Es ist die schonungslose Chronik einer Kindheit in der banatschwäbischen Provinz nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit einem in den Verhältnissen der rumänischen Diktatur zwangsweise erworbenen "fremden Blick" entwarf Herta Müller auch in ihren folgenden Werken beklemmende Bilder von Bedrohung, Terror und Angst. Das neue Heft der Reihe Text + Kritik untersucht die Wirkungsweise dieser Wahrnehmung und die aus ihr resultierende Poetik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.10.2002
Martin Krumbholz hat diesen Text + Kritik-Band, der sich Herta Müller widmet, mit großer Aufmerksamkeit gelesen und versucht in seiner Rezension, die Charakteristika des Werks Herta Müllers zusammenzufassen. Die Beiträge machen deutlich, dass Müller - und damit auch ihre "Poetologie" - stark durch ihre Kindheit in einem Dorf der rumänischen Provinz geprägt wurde, referiert der Rezensent. In dem Aufsatz von Josef Zierden sieht er überzeugend nachgewiesen, wie stark der "ganz normale Wunsch dazuzugehören", das Frühwerk bestimmte. In Friedmar Apels Beitrag findet er den "Vorrang sinnlicher Anschauung" schlüssig aus dem Leben unter einer Diktatur erklärt. Insgesamt hat sich Krumbholz durch diesen Sammelband sowohl die "antiautoritäre, antirepressive Haltung" Müllers als auch das mitunter "Obsessive, Bittere", das ebenfalls in ihrem Werk enthalten ist, erschlossen.
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