Herta Müller

Die blassen Herren mit den Mokkatassen

Cover: Die blassen Herren mit den Mokkatassen
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446206779
Gebunden, 112 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Ein literarisches und ein optisches Vergnügen, Gedicht und Collage zugleich: Aus Zeitungsausschnitten und Bildern setzt Herta Müller ihre Texte zusammen, so dass jedes einzelne Gedicht zu einer ebenso verspielten wie künstlerisch konsequenten Collage wird. Ein wunderbares, unvergleichliches Buch, das zeigt, zu welchen spielerischen Formen die poetische Phantasie finden kann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.11.2005

Für ihre dichterischen Collagen bedient sich Herta Müller der Schere und nicht des Stifts: Aus Zeitungen und Zeitschriften schneidet sie einzelne Wörter oder Buchstaben heraus und klebt sie zusammen, bis sie sich reimen, erklärt uns Jörg Magenau Müllers poetisches Verfahren. Magenau heißt diese Form der Wiederverwertung nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten gut, sondern auch als lyrischen Prinzip. Denn die entstehenden Blätter, freut er sich, sehen aus wie "Erpresserbriefe", nur bunter und schöner. Und voller Bewunderung blickt er auf die einer singulären "Sprachvernutzung" entrissenen Sätze, die so frei schweben, dass sie sich niemand hätte ausdenken können. Ein Beispiel, das Magenau zitiert: "ICH frage GIBT ES DA kein anderes Tier als DIESE Mundharmonika AUS Wind".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005

Müllers "mit der Schere zusammengesetzte Gedichte", in denen die Worte gleichsam auf Reisen geschickt werden, besitzen für Rezensentin Andrea Köhler eine "surreale Anmut". Bewundernswert findet sie nicht nur die "klangliche Qualität" der Gedichte, die den Leser zum lauten Skandieren verleitet, und das "ästhetisch Zwingende", das dem "optisch Naheliegenden" den Rang abläuft, sondern auch den Reichtum der Wortschöpfungen, der suggeriert, Müller hege die Hoffnung, der Welt allein durch "neue Komposita" ein anderes Gerüst zu verleihen. Bei Müllers "Blassen Herren mit den Mokkatassen" haben wir es mit einer Rückkehr zu den Anfängen der Wörter und zweifelsohne mit einer "bibliophilen Kostbarkeit" zu tun, so das Fazit dieser Besprechung.
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