Mit sardonischem Witz entlarvte der deutsch-jüdische Autor Curt Bloch in seinem niederländischen Versteck Hitler und dessen Schergen: Woche für Woche verfasste er ab August 1943 Gedichte für sein ganz persönliches Satiremagazin "Het Onderwater-Cabaret". Darin thematisierte er die Lügen und Verbrechen der Faschisten, seine Situation im Versteck, das ungewisse Schicksal seiner Familie und die Lage des deutschen Volkes. Die Deckblätter gestaltete er aus dem wenigen, was ihm zur Verfügung stand - und schuf so ausgerechnet aus Nazipropaganda ein zeitloses Kunstwerk des Widerstands. Nur ein einziges Heft benannte er um: Das "Überwasserfinale" war die letzte Ausgabe - nach seiner Befreiung im April 1945.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2025
Rezensentin Christine Brinck hält die Gedichte von Curt Bloch für ein kleines Wunder. Geschrieben im Versteck vor den Nazis, überlebten die Texte ihren Autor und sein Untergrund-Projekt des "Unterwasser-Cabarets", das Bloch während des Krieges als Möglichkeit nutzte, seine Gedanken zum Weltgeschehen und zum Judentum aufzuschreiben. Brinck staunt über die Informiertheit des Autors in seinem Versteck und über die satirische Note der Texte. Dank einer Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin gelangten die Gedichte nun zum Druck, freut sich Brinck.
Toll, dass Curt Blochs Underground-Zeitung nun, viele Jahrzehnte nach ihrer Entstehung, in Druckform vorliegt, jubelt Rezensent Klaus Hillenbrand. Seine Rezension besteht hauptsächlich aus einer Nacherzählung der Entstehungsgeschichte der Originalzeitung: Bloch hatte die Verse seines Unterwasser-Cabarets in den Niederlanden auf einem Dachboden verfasst, wo er sich in der Zeit der NS-Besatzung verborgen hielt, damals war, so Hillenbrand, jede Ausgabe ein Unikat. Auch Bilder enthielt die Zeitung, erfahren wir, inhaltlich geht es darum, sich und anderen Bedrohten Mut zu machen, indem die Nazis lächerlich gemacht werden, an den Deutschen wird kein gutes Haar gelassen. Jetzt endlich ist dieses klandestine Schriftwerk in Auszügen als Buch erschienen - der Rezensent scheint das für eine publizistische Großtat zu halten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.07.2025
Man merkt der Kritikerin Katharina Döbler an, dass diese Sammlung von Gedichten sie sehr berührt hat: Der deutsch-jüdische Kommunist Curt Bloch ist 1933 in die Niederlande geflohen, 1942 untergetaucht und hat in seinen verschiedenen Verstecken fast 500 Gedichte in verschiedenen kleinen Heften aufgeschrieben. Die Gedichte greifen seine Stimmung im Versteck auf, aber auch alles, was politisch geschieht, wie wir lesen. So schreibt er an die Deutschen "Ein Psychopath hat euch geführt,/ Es ist um euch geschehen". Lange wollten die Deutschen diese Gedichte nicht lesen, erzählt Döbler, erst eine Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin vergangenes Jahr hat das Interesse befeuert und nun diese auch optisch äußerst ansprechende und kenntnisreich kommentierte Ausgabe ermöglicht.
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