Dürfen die Überlebenden nach einer Katastrophe einfach schweigen? Und ist dieses Schweigen ihre und unsere einzige Chance auf ein zukünftiges Glück? Gottfried Schult lehrt Geschichte in Cambridge. An seinem 60. Geburtstag lernt er den um 30 Jahre jüngeren Ely kennen. Die Beziehung setzt nach und nach ein lang verborgenes Trauma in Schult frei. Erinnerungen an den Hamburger Feuersturm von 1943 kehren zurück und an seine Schwester Toni, die während des Bombardements umgekommen ist. Je mehr Schult die verschlossene Vergangenheit öffnet, desto größer wird der damit verbundene Schrecken. Ist Toni durch seine Schuld umgekommen? Kann ein sechsjähriger Junge für ein solches Ereignis verantwortlich gemacht werden? Doch Gottfried Schult will keine schweigende Existenz mehr führen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2025
Rezensentin Louise Otterbein fühlt sich emotional ergriffen und mitgerissen von Hinrich von Haarens Erzählung über einen Historiker, der das Schweigen brechen, von der Vergangenheit sprechen will, dabei jedoch die Kontrolle über seine Gegenwart verliert. Mit diesem Historiker namens Gottfried Schult hat Haaren eine facettenreiche Figur geschaffen, an deren Selbstannäherungsprozess man gerne teilnimmt, so Otterbein. Anhand dieser Figur gelingt es dem Autor, anschaulich und eindringlich vom Schweigen über den Krieg zu erzählen und der daraus resultierenden Schwierigkeit der Kriegskindergeneration, den selbst erlittenen und geerbten Traumata Ausdruck zu verleihen. Denn: Es fehlt dieser Generation die Erzählung. Indem sich Schult auf die Suche macht nach einer Sprache, nach einer Geschichte, gibt er sich zugleich einem Verfall hin, einer "inneren Wildnis", lesen wir. Von Haaren erzählt von diesem Prozess in einer präzisen Sprache, stilistisch anspruchsvoll und dennoch nie affektiert, so die mitgerissene Rezensentin.
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