Aus dem Schwedischen von Günter Dallmann und Helen Oplatka. Hjalmar Söderbergs wunderbaren, grausamen, leicht hingetuschten, lakonischen Erzählungen und sein berühmter Roman Doktor Glas haben das Publikum skandalisiert, dann wurden sie vergessen. Unsittlichkeit, Décadence, Zynismus, hat man ihm vorgeworfen - natürlich ganz zu Unrecht. Aber merkwürdig genug - ein Jahrhundert später kommen uns seine Figuren ziemlich bekannt vor. Nur Kostüm und Milieu haben sich verändert. Seine Charaktere aber scheinen eine gespenstische Wiederkehr zu feiern. Es sind Spieler, Bankrotteure, Spekulanten und Selbstmörder. Der rücksichtslose Individualismus, der sie in die Isolation treibt, ihre labilen Beziehungen, ihre desillusionierte Attitüde - das alles erinnert nur allzusehr an unsere verzweifelte Spaßgesellschaft. "Ich zapple, wie ich will", sagt einer von Söderbergs Helden. "Es gibt nichts Lustigeres als zu zappeln."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2000
Um die Liebe kreisten fast alle hier versammelten Texte, läßt uns der Kritiker mit dem Kürzel "c. hr." wissen. Und präzisiert: nicht um die "sinnliche, lebensbejahende, sondern die problembehaftete Seite", deren Ursachen in den Erzählungen scharfsinnig analysiert würden. Der Rezensent taucht kurz in die Stockholmer Welt um 1900 ein, als dortige Bürger "noch Zeit hatten, morgens auszureiten und mit weiblichen Bekannten ein paar muntere Worte zu wechseln" und "von Verehrern geschenkte Veilchenbuketts am Dekolleté befestigt wurden". Doch vermisst man in diesen kurzen Impressionen des Rezensenten schmerzlich die beschriebene scharfsinnige Analyse Söderbergs. "Illusionslos und düster", findet der Rezensent, sei Söderbergs Welt und wir finden, Stockholmer Bürger um 1900 müßte man sein.
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