Manfred Henningsen

Der Mythos Amerika

Cover: Der Mythos Amerika
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783821845951
Gebunden, 360 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Demokratisches Sendungsbewusstsein und machtpolitischer Anspruch auf strategische und ökonomische Vorherrschaft prägen das amerikanische Weltbild - nicht erst seit der Präsidentschaft von George W. Bush. Das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten entspringt einem populären, heroischen Geschichtsbild, in dem die dunklen Seiten der eigenen Vergangenheit nur am Rand auftauchen. Die latente Weigerung, die gewalttätige eigene Gründungsgeschichte samt ihren genozidalen Aktionen gegen die indianischen Völker des Kontinents, der Sklaverei und des Rassismus als Erblast des Amerikanismus anzuerkennen, verstellt immer noch den Blick der politischen Elite auf das eigene Land. Nicht Folter und Rechtsbruch im Kampf gegen den Terrorismus prägen den politischen Diskurs, sondern die klangvolle Rhetorik amerikanischer Auserwähltheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2010

Als Einlösung des mit seinem Vorgängerbuch gemachten Versprechens, sich den Wurzeln des amerikanischen Selbstbilds zuzuwenden, liest Thorsten Gräbe das Buch des Politikwissenschaftlers Manfred Henningsen. Dieser sieht eben diese Wurzeln in der Verdrängung, und dass dem amerikanischen Mythos die Blindheit gegenüber der rassistischen Gewalt wesentlich ist, kann Henningsen dem Rezensenten zwar belegen. Doch die hier versammelten, in die 70er Jahre zurückreichenden Zeitschriften- und Sammelbandaufsätze scheinen Gräbe allerdings recht überholt. In welchem Maße, erläutert Gräbe mit einem schlagenden Beispiel: Mit einer Weltgeschichte von 1965 die ideologischen Gemeinplätze der Gegenwart illustrieren zu wollen, wie es der Autor macht, erscheint nun wirklich gewagt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.07.2009

Selten sei das "Land der Freiheit" so deutlich als "Land der Völkermorde" dargestellt worden, schreibt Rezensent Rolf-Bernhard Essig. Dennoch sei dieses Buch weit davon entfernt, eine  Lektüre für Amerikahasser zu sein. Denn undemagogisch zeichne der seit 1970 an der Universität Hawaii lehrende deutsch-amerikanische Politologe die amerikanischen Gründungsmythen und -lügen nach, samt der fatalen Folgen, die der Amerikanische Traum für Indianer und Schwarze hatte. Auch untersuche er Klischees der Sklaverei und des Rassismus bis ins 20. Jahrhundert, und biete "erhellende Daten aus der Forschungsgeschichte". Trotzdem sei das Buch nicht wirklich ein großer Wurf, merke man ihm doch sein Entstehen aus verschiedenen Essays des Autors an. Auch vermisst Essig die Frage nach dem Rassismus der Schwarzen ebenso, wie die Behandlung der Rolle der Latinos. Dann stören ihn viele Fremdwörter, die dem amerikanisierten Deutsch des Autors geschuldet seien.

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