Bückware, Gegenplan, Komplexbrigade - ferne Klänge aus einem untergegangenen Staat, vielfach vergessen, aber auch nur drei der zahlreichen Symbole für einst herrschende Verhältnisse, die nicht einfach nur verdrängt werden dürfen. Denn das politische System der DDR herrschte mehr als vierzig Jahre und prägte die Mentalität von Generationen, selbst dann, wenn man in Distanz oder gar Opposition zum Regime stand. Das sollten auch die Westdeutschen wissen, die sich über die Absurditäten jenseits der Grenze meist nur lustig machten. Opposition und Widerstand wurden 1989 zwar mit Wohlwollen aufgenommen, fügten sich aber vielfach in eine Siegermentalität, mit der man die sich selbst befreienden "Ossis" nur als ökonomischen Zuwachs der eigenen Wohlfahrtsgesellschaft werten wollte. Bis man erstaunt zur Kenntnis nahm, dass man es mit Menschen zu tun hatte, die die im Westen herrschenden Verhältnisse, insbesondere die Kommerzialisierung auch privater Lebensbereiche, mehr als befremdlich empfanden. Insofern wollen die Stichwörter dieses Lexikons nicht nur Vergangenes aufrufen, sondern auch Anregungen für eine kritische Distanz zur wiedervereinigten Gegenwart bieten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2020
Für Peter Sturm taugt das von Horst Dieter Schlosser zusammengestellte Lexikon auch als Lesebuch über die DDR. In "allen Facetten" tritt ihm die DDR aus den Seiten gegenüber, alphabetisch geordnet, von "Aluchips" bis "Wehrsport". Wer die DDR besser verstehen möchte, lese Schlossers Nachschlagewerk, rät Sturm. Insofern, meint er, ist der Band auch ein Beitrag zur Einheit, auch wenn er "zwangsläufig manche Zusammenhänge" auseinanderreißt, wie der Rezensent einräumt.
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