Kein anderes Volk verfolge den Wandel in der Sowjetunion unter Gorbatschow so aufmerksam wie die Deutschen, so der damalige US-Botschafter in Bonn, Richard Burt. Diese Beobachtung galt gleichermaßen für die West- und die Ostdeutschen. Hermann Wentker untersucht die Wahrnehmungen des KPdSU-Generalsekretärs und seiner Politik im deutsch-deutschen Kommunikationsraum. Er analysiert den Wandel der Gorbatschow-Bilder im diskursiven Prozess zwischen Medien, Politik, Experten und Öffentlichkeit und fragt nach deren Relevanz für das Denken und Handeln der politischen Akteure. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis einer Epoche, in der Deutschland, Europa und die Welt dramatische Veränderungen erlebten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2021
Rezensentin Jacqueline Boysen liest Hermann Wentkers Studie mit Gewinn, auch wenn der Band sie ob seiner Materialfülle und etwas spröden Aufmachung ohne Illustrationen zunächst etwas abschreckt. Nicht nur für Akademiker findet sie Wentkers multiperspektivischen Ansatz interessant, der offenbart, wie Gorbatschow im geteilten Deutschland von Politikern und in den Medien wahrgenommen wurde. Dass der Autor keine "steile These" formuliert, sondern akribisch Archive durchforstet und schlüssig strukturiert darstellt, um die Ansichten von Kohl, Krenz und anderen zu vermitteln, gefällt Boysen gut schon wegen der Revisionen, die der Autor damit anstößt. Zu lernen ist laut Boysen einiges über Prägungen in Ost und West, die Medien im Kalten Krieg und natürlich über Gorbis Tun und Lassen.
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