Horst-Eberhard Richter

Wanderer zwischen den Fronten

Gedanken und Erinnerungen
Cover: Wanderer zwischen den Fronten
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2000
ISBN 9783462028904
Broschiert, 352 Seiten, 21,47 EUR

Klappentext

"Der Vorteil des Alters ist ja, dass man - als vermeintlich nur noch beschränkt zurechnungsfähig - den vom momentanen Zeitgeist getragenen Anführern des ökonomischen und militärischen Machtdenkens ungeschützt die Meinung sagen kann."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2000

Anton-Andreas Guha stellt zunächst klar, dass das Buch keinerlei Gemeinsamkeiten aufweist mit dem Text von Walter Flex "Wanderer zwischen den Fronten". Vielmehr sei Richter Pazifist, bedingt durch seine Kriegserlebnisse, die ihm zwar spät, aber dafür umso deutlicher, die Verbrechen Hitlers vor Augen geführt hatten. Diese Autobiografie gefällt dem Rezensenten aus mehreren Gründen. So lobt er sehr, dass Richter nicht streng chronologisch vorgeht, sondern einen lockeren, "anekdotenhaften" Stil bevorzugt. Sein Leben werde von Richter nicht erzählt, "wie er es gelebt, sondern wie er es erlebt" habe. Ein anderer Aspekt, der Guha sehr gefällt, ist die Spannung des Buchs, die sich seiner Ansicht nach vor allem aus Richters Sprachbegabung herleitet und der Tatsache, dass Richter immer wieder die traumatischen Erlebnisse als Soldat vor Stalingrad bei seinen späteren Aktivitäten in der Friedensbewegung und bei seinem sozialen Engagement eine motivierende Rolle spielen lässt. Interessant findet Guha auch Richters Verhältnis zu Politikern, etwa zu Michail Gorbatschow, der bisweilen seinen Rat einholte, seine Freundschaft zu Willy Brandt und Oskar Lafontaine, aber auch seine Vorwürfe an Gerhard Schröder, Rudolf Scharping und Joschka Fischer, denen er Opportunismus vorhält.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.05.2000

Es gibt einen zentralen Satz in der Rezension von Tilmann Moser, der wie Horst-Eberhard Richter der Zunft der Psychoanalytiker angehört: "Im neuen Buch kann man ihn begleiten, ohne erzogen zu werden." Richter, mittlerweile 76 Jahre alt, legt mit diesem Buch seine zweite Autobiographie vor. Noch einmal lassen sich, so Moser, die Quellen nachvollziehen, aus denen sich Richters politisches Engagement und sein "unerbittlicher Pazifismus" speisen. Die eigenen Kriegserlebnisse als Soldat, aber auch seine Kritik an der Haltung der Grünen zum Balkankrieg, die Wehrmachtsausstellung, Spielbergs Film über den "Soldaten James Ryan", all das sind Themen, die im Buch Niederschlag finden. Das Moralische, das Richters frühere Bücher gelegentlich gekennzeichnet habe, schreibt Moser respektvoll, aber auch mit Abstand, sei einer teils kämpferischen, teils resignierten Altersweisheit gewichen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

Gunter Hofmann sieht in Richters Biographie die konsequente Fortführung von dessen Lebensmaximen und ist sehr angetan vom Charme dieses Buches. Als besonders glückliche Fügung beschreibt er die Struktur der Erinnerungen, die in "Mosaiksteinen" und einem kaleidoskopartigen Blick nicht nur die Person, sondern auch die Zeit einfingen. Der soziologische Psychoanalytiker sei geradezu ein "Anti-Walser" mit seinem Bedürfnis, genau hinzuschauen und seiner Weigerung, es "Moralwächtern" anzulasten, wenn die Vergangenheit nach wie vor quälend präsent sei. Dass er trotz seiner klarsichtigen Analyse der katastrophalen Menschheitsentwicklung Optimist bleibe, sei allerdings ein Rätsel, das auch Richters Memoiren nicht auflösen könnten.
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