Rom, im Juli 1859: Eine Nonne ruft um Hilfe, man will sie vergiften, doch sie kann fliehen. Es kommt zu einem Prozess, in dem die Inquisition Unglaubliches aufdeckt: Im Kloster Sant' Ambrogio werden seit Jahrzehnten Nonnen als Heilige verehrt. Visionen, Dämonenaustreibungen, Segnungen per Zungenkuss, lesbische Initiationsriten und Wunder sind an der Tagesordnung. Zweiflerinnen werden beseitigt. Und hinter alledem steht ein Netzwerk von Jesuiten mit besten Kontakten zum Papst. Bis heute besitzt der Fall Sant Ambrogio eine gewaltige Sprengkraft: Einer der Beichtväter, der unter falschem Namen bei den Nonnen übernachtete, entpuppt sich als vatikanischer Spitzentheologe und enger Vertrauter des Papstes, der das Unfehlbarkeitsdogma maßgeblich mitformulierte.
Ein echter Kirchenthriller! Rezensent Adam Soboczynski ist entzückt. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf erzählt hier die wahre Geschichte um Sex und Mord in einem Kloster. Vordergründig geht es um eine junge Novizenmeisterin, die in Giftanschläge verstrickt ist, wenn sie nicht gerade mit ihren Nonnen oder dem päpstlichen Berater schläft, so der Rezensent. Hintergründig aber erzähle Wolf, wie die Katholische Kirche im 19. Jahrhundert über Sex und Gewalt diskutierte. Soboczinski fühlt sich so gut unterhalten wie unterrichtet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2013
Die Geschichte klingt wirklich wie ausgedacht, wie ein schlüpfriger Klosterkrimi, wie es Urs Hafner sagt. Allein, und da staunt der Rezensent nicht schlecht, sie ist wahr, belegt bis auf die detaillierten Schilderungen der Ausschweifungen durch die Funde des Kirchenhistorikers Hubert Wolf in den Archiven des Vatikans. Zwar hätte sich Hafner mitunter einen etwas kritischeren, vorsichtigeren Umgang mit den Quellen gewünscht, einen etwas häufigeren Gebrauch des Konjunktivs durch den Autor. Doch an der Ungeheuerlichkeit des Stoffes ändert das wenig. Die planmäßige Verschmelzung von religiöser und sexueller Ekstase im Kloster Sant'Ambrogio, die Billigung durch die Kardinäle des Papstes Pius IX., schließlich die Schließung des sündigen Ortes und die inquisitorische Verurteilung der Beteiligten - all das ist einfach zu spektakulär, findet Hafner.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.03.2013
Mit großem Interesse hat der Tübinger Theologie Andreas Holzem diesen Klosterkrimi des Kirchenhistorikers Hubert Wolf gelesen. Der Rezensent schätzt Wolf als Experten für die Inquisition und bestätigt, dass der hier behandelte Fall auf einer wahren Begebenheit beruht: Um dem unchristlichen Kult um die "Madre Vicaria" des Klosters Sant' Ambrogio ein Ende zu setzen, schickt die Inquisition den Dominikanerpater Vincenzo Sallua, der den ominösen Machenschaften der charismatischen Nonne, darunter etliche Giftmorde, nachgehen soll. Über die Qualitäten des Buchs als Krimi äußert sich Holzem nicht, gut gefällt ihm allerdings die facettenreiche Darstellung der Inquisition, die ebenso den rechtschaffenen Dominikaner kenne wie den eifernden Jesuiten und die auf Herrschaftsabsicherung zielenden Kardinäle.
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