James Baldwin

Kein Name bleibt ihm weit und breit

Zum 100. Geburtstag von James Baldwin, dem großen Stilisten und der Ikone der Gleichberechtigung
Cover: Kein Name bleibt ihm weit und breit
dtv, München 2024
ISBN 9783423284004
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Mit einem Vorwort von Ijoma Mangold. "Wenn wir jetzt nicht nachlassen, sind wir vielleicht imstande, diesen rassistischen Albtraum zu beenden", schrieb Baldwin 1963 in 'Nach der Flut das Feuer'. Sein Ruf ging unter in den brennenden Städten Amerikas: Ausschreitungen, Attentate, der Furor von Black Power und White Backlash. 'Kein Name' ist, neun Jahre später, eine Bestandsaufnahme dieser Zeit, eine schmerzliche Chronik des Verlusts: die Ermordungen von Malcolm X und Martin Luther King, der Zerfall der Bürgerrechtsbewegung und der bittere Verrat Amerikas. In atemberaubend persönlichen Einblicken legt Baldwin Zeugnis ab von einem Trauma, das ein kollektives ist. Und spricht zu uns durch die Jahrzehnte, die seinen Worten bis heute größte Dringlichkeit verleihen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.07.2024

Anlässlich seines 100. Geburtstags widmet sich Rezensentin Angela Gutzeit drei Neuerscheinungen von und über James Baldwin: Dieser Essayband greift Themen um Gleichberechtigung, Hautfarbe und Sexualität auf, die zwar auch in seinen Romanen vorkommen, aber hier in weitaus direkterer, teils auch polemischerer Form auftreten. Zentrale Bezüge auf die Bürgerrechtsbewegung kann Gutzeit ebenfalls identifizieren, so spielt Malcolm X eine Rolle, aber auch der Rassenwahn der Weißen, und, für sie fast prophetisch, Baldwins Überzeugung, Hass und Spaltung würden die Gesellschaft zerreißen. Ein nach wie vor hochaktueller Band, urteilt sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2024

Rezensent Joachim Hentschel wirkt gebannt vom ungezähmten Charakter des neu übersetzten Essays von James Baldwin. Denn die Neuausgabe komme insgesamt weniger wohlsortiert und eingeordnet daher als die "zeittypisch-zünftige" deutsche Ausgabe von 1972, und sei auch im Vergleich zu anderen Baldwin-Essays deutlich unfertiger, wie dieser auch selbst im Epilog angibt. Recht wild, so Hentschel, springe der Autor zwischen verschiedenen Handlungssträngen und historischen und persönlichen Ereignissen der sechziger und siebziger Jahre hin und her, liefere dabei "irre" Geschichten über die eigene unbewusste Komplizenschaft mit der weißen Vorherrschaft, verliere sich in Details und verzockt sich manchmal auch vollkommen, etwa wenn es um die auch sexuelle "Impotenz" der Weißen geht. "Schön" im strengen Sinne sei das nicht, aber ein sehr direktes und unsortiertes Bild der "politisch-privaten Polterdynamik" dieser Zeit. Wie nebenbei erfinde Baldwin auch noch die Kategorien Identitätspolitik und Intersektionalität, staunt Hentschel. Führ ihn ein "vogelfreier" und genialer Text.

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