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Thomas Macho

Das Leben nehmen

Suizid in der Moderne
Cover: Das Leben nehmen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518425985
Gebunden, 532 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

"Der Selbstmord", schrieb Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk, erscheint "als die Quintessenz der Moderne". Und in der Tat: Nachdem der Versuch, sich das Leben zu nehmen, über Jahrhunderte als Sünde oder Ausdruck einer psychischen Krankheit betrachtet, in einigen Ländern sogar strafrechtlich sanktioniert wurde, vollzieht sich seit dem 20. Jahrhundert ein tiefgreifender Wandel, der zur Entstehung einer neuen Sterbekultur beigetragen hat. Der eigene Tod gilt immer häufiger als "Projekt", das vom Individuum selbst zu gestalten und zu verantworten ist. Wer sich das Leben nimmt, will es nicht mehr nur auslöschen, sondern auch ergreifen und ihm neue Bedeutung geben.
Thomas Macho erzählt die facettenreiche Geschichte des Suizids in der Moderne und zeichnet dessen Umwertung in den verschiedensten kulturellen Feldern nach: in der Politik (Suizid als Protest und Attentat), im Recht (Entkriminalisierung des Suizids), in der Medizin (Sterbehilfe) sowie in der Philosophie, der Kunst und den Medien. Er geht zurück zu den kulturellen Wurzeln des Suizids, liest Tagebücher, schaut Filme, betrachtet Kunstwerke, studiert reale Fallgeschichten und zeigt insbesondere, welche Resonanzeffekte sich zwischen den unterschiedlichen Freitodmotiven ergeben. Seine Diagnose: Wir leben in zunehmend suizidfaszinierten Zeiten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2017

Sarah Pines wirft einen wenig romantischen Blick auf den Suizid mit Thomas Machos, wie sie findet, klugem Buch. Der Soziologe und Philosoph ordnet dankenswerterweise, meint sie, Wahrnehmung und Realität des Suizids, unterscheidet Kamikazeflieger, Lemminge und Hermann Göring und schafft fast eine Methodologie für die Geschichte des Suizids. Wie Selbsttötung und Moderne aufeinander bezogen sind, kann ihr der Autor zeigen, wie die Enttabuisierung und die Individualisierung miteinander verknüpft sind und wie leicht uns der Suizid geworden ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2017

Von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert hat der hier rezensierende Schriftsteller Georg Klein diese Studie des Kulturwissenschaftlers Thomas Macho gelesen. Macho verfolgt nicht einfach nur die Selbstmord-Diskurse durch die Jahrhundert, erklärt Klein, auch wenn er etliche Denker des Freitods, von Emile Durkheim über Jean Améry bis zu Michel Foucault, zu Wort kommen lässt. Vielmehr schlage Macho einen großen Pflock ein: Die Moderne änderte Macho zufolge grundlegend unser Verhältnis zum Selbstmord, zum Suizid, zum Freitod. Schon Friedrich II. entschärfte unter dem Einfluss Voltaires in Preußen die Suizidstrafen, lernt Klein und sieht am Grunde dieser Wende die Frage, wem das Leben gehört. Auch Machos Gedanke, dass zum Selbstmord zwei gehören, findet Klein interessant. Und wenn der Autor dann mit großer Empathie all diejenigen ehrt, die sich das Leben genommen haben, dann ahnt Klein, dass dieses sympathische Buch auch von gefährlichem Reiz ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2017

Rezensentin Petra Gehring fühlt sich wie in den Märchen aus 1001 Nacht mit Thomas Machos Buch. Wundertütenartig blättert der Autor immer wieder neuen Seiten seines Themas auf, meint sie. Wann in der Geschichte wird der Suizid zum Leitmotiv? Welches sind suizidkritische, welches suizidfaszinierte Kulturen? Und wo genau zu Hause bringt man sich bevorzugt um? Solche und viele andere Fragen beantwortet der Autor laut Gehring gelehrt, aber "milde", diskret und ohne Wertung. Und immer lauert noch eine neue Wendung, die Gehring verblüfft und erfreut.
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