Neuausgabe. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Mit einem Vorwort von Tony Judt. Welche Rolle spielen die Opfer des Holocaust im öffentlichen Leben Israels? Welchen Anteil haben sie an der Selbstwahrnehmung und politischen Kultur des Landes? Wie erinnern die Israelis den Holocaust, wann und zu welchen Zwecken?Idith Zertal liefert eine kritische Analyse zentraler Texte der israelischen Geschichte sowie zahlreicher neuer und bislang unbekannter Dokumente, anhand deren sie die folgenschwere Präsenz der Holocausterinnerung in der politischen Kultur Israels nachweist. Dabei geht die Autorin von neuem der Frage nach, wie die entscheidenden Ereignisse des "kurzen zionistischen Jahrhunderts" von der israelischen Öffentlichkeit aufgefasst und tradiert worden sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2011
Für Helmut König erzählt die Historikerin Idith Zertal im kämpferischen Geist und mit Berufung auf Hannah Arendt vom "Missbrauch" der Shoah und der Erinnerung an das Verbrechen der Nazis an den Juden als Legitimation für die Politik Israels gegen seine arabischen Nachbarn. Das Buch lesend bedauert es König umso mehr, dass Arendts Eichmann-Buch in Israel kaum gelesen wurde. Die heutigen Blockaden und Instrumentalsierungen habe sie bereits vorausgesehen, schreibt er. Idith Zertals Fortführung von Arendts Gedanken, derzufolge der Zionismus im Verein mit der israelischen Erinnerungspolitik eine Logik der Gleichsetzung von Arabern und Nazis hervorbringt, findet König akribisch und detailliert bewerkstelligt. Die vorliegende, um ein Vorwort von Tony Judt erweiterte Neuausgabe der deutschen Ausgabe von 2003 scheint ihm willkommen.
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